Rinder, nehmt euch in Acht

25. Januar 2015

Die Nacht in der Notunterkunft vom schwerhörigen Opa und seiner Gemahlin hat das Stimmungsfass zum überlaufen gebracht. Des ewigen Busfahrens überdrüssig braucht unsere Reise dringend einen neuen Impuls und positive Abwechslung. Nur eine Atkins-Diät mit Fleisch satt kann die Stimmung wieder heben - das Nachbarland Argentinien mit seinen Rinderherden ruft. Die vorerst letzte Busfahrt führt uns in sechs Stunden über die argentinische Grenze in das gelobte Land. Schon bei Ankunft in Bariloche liegt der Duft von frisch gebratenem Rindfleisch in der Luft. So haben wir uns den Geruch Argentiniens erhofft, aber niemals zu erträumen gewagt. Unsere erste touristische Amtshandlung in diesem Land steht deshalb seit Monaten fest und haben wir schon hunderte Male mental durchgespielt: Der Verzehr eines grossen, dicken, von der Flamme geküssten Stücks Rindfleisch. Selbst philosophische Worte reichen nicht aus, um dem herzhaften Fleisch eine angemessene Lobeshymne zu schwingen. Der einzigartige Geschmack ist schlichtweg ein unbeschreibliches Gedicht. Jetzt ist auch klar, weshalb die Menschen hier ein Dauergrinsen im Gesicht tragen. Tagtäglich kommen sie in den Genuss des weltweit besten Rindfleischs aller erster Güte und das erst noch in Unmengen. Der allgegenwärtige Rindfleisch-Wohlstandsbauch wird daher mit Stolz durch den Tag geschleppt und allseits mit Respekt gezollt. Ja, sie haben es verdammt schön die lieben Argentinos – sie leben ein Leben im Fleischhimmel.



Vom Pech verfolgt

27. Januar 2015

Bariloche meint es nicht besonders gut mit uns. Drei Tage lang suchen wir vergebens verzweifelt nach einem Mietwagen, doch alles ist restlos ausgebucht. Ohne eigenes Auto ist es praktisch nicht möglich in die fabelhafte und sehr weitläufige Landschaft vorzudringen. Und dann auch noch das: Auf der verzweifelten Suche nach einer Steckdose im Hotelzimmer passiert womit niemand gerechnet hat. Beim beherzten Griff an die Bettkannte, mit dem Ziel das Bett von der Wand weg zu schieben, streift mein Mittelfinger aus Versehen unsanft die holzverkleidete Wand. Dabei bohrt sich in mittelalterlicher Foltermanier ein kleines Stück abstehendes Holz längs unter den Fingernagel bis einen Millimeter vor das Nagelbett. Versuche den Holzkeil in Eigenregie heraus zu grübeln, schlagen fehl. Jetzt kann nur noch der Doktor was richten. Also ab ins Spital. Ein frisch gebackenes, hoch ambitioniertes junges Ärzte-Duo macht sich dem Holz zu schaffen. Mit vereinten Kräften gelingt das Wunderwerk, den Querulanten aus dem anästhesierten Finger zu entfernen und sogar die Hand dran zu lassen.

Demoralisiert von der erfolglosen Autosuche von Pontius zu Pilatus hadern wir gezwungenermassen damit, Patagonien sausen zu lassen und direkt nach Buenos Aires zu fliegen. Dank Evelyns Zuversicht und gutem Gespür nimmt die Autogeschichte eine ungeahnte Wendung. In einer unscheinbaren Seitenstrasse finden wir eine lokale Autovermietung mit dem einzigen noch verfügbaren Auto von ganz Bariloche. Um die ganze Geschichte unter Dach und Fach zu bringen fehlt nur noch die Bezahlung, was aber nur in Bar möglich ist. Eigentlich kein Problem. Unser Reisekonto ist noch immer im grünen Bereich. Doch der Geldbezug in Südamerika ist so eine Glückssache. Willkürlich spucken die Automaten Stunden- oder auch Tagelang einfach kein Geld aus. Natürlich ausgerechnet auch jetzt, wo das unverhoffte Autoglück zum greifen nah ist. Über mehrere Stunden klappern wir jeden Bankomaten im Ort ab, doch leider befinden sich alle im Generalstreik. Wir sind blank und haben nicht mal mehr Geld in der Tasche, um etwas zu essen. Gratismuster in einem Schokoladen-Geschäft vertreiben zum Glück das gröbste Magenknurren. Bariloche ist uns nicht wohl gesinnt, dafür aber die nette Autovermieterin. Kulanterweise ist es möglich, die Miete erst bei Rückgabe zu entrichten und obendrauf leiht sie uns noch ein bisschen Bares fürs Benzin. Strassen Patagoniens wir kommen!



Maria und Joseph 2.0

28. Januar 2015

Die legendäre Ruta 40 ist die mit Abstand bekannteste Landstrasse Argentiniens, die längs durch das ganze Land verläuft. Mit unserem weissen Kleinwagen von Chevrolet, ganz ohne Sonderausstattung, beleben wir die ansonsten eher spärlich befahrene Route und fressen uns Meter für Meter durch den endlosen Asphalt und die holprigen Schotterstrassen. Duzende Kilometer verläuft die Strasse kerzengerade durch die weitläufige Pampa, bis sie am Horizont nur noch als spitz zulaufender, kleiner Punkt sichtbar ist.

In Esquel, unserem ersten Etappen-Ziel, treffen wir erst spät in der Nacht ein. Wie die moderne Ausgabe von Maria und Joseph klappern wir mit unserem weissen Metallesel jede Unterkunft im Ort ab, doch alles ist restlos belegt. Kaum zu glauben, waren wir doch fast alleine auf der Strasse unterwegs. Auch das um Mitternacht verspeiste Bife de Chorizo führt keine Lösung herbei und so bleibt nur der letzte Ausweg – eine Übernachtung im Auto. Also heisst es Sitzlehne herunter kurbeln, in den Schlafsack einnisten und hoffen, dass es rasch wieder Tag wird. Wehmütig erinnern wir uns an die vergleichsweise geräumigen Platzverhältnisse in Bert zurück. Zu unserem Erstaunen schläft es sich trotz sehr engem Raum, der doch etwas unbequemen Schlafposition und dem dezentem Benzingeruch ganz passabel. Die Sonne steht schon hoch am Himmel, als wir aus dem Land der Träume auschecken.



Leben aus dem Kofferraum

1. Februar 2015

Die Tage in Patagonien laufen immer etwa nach dem gleichen Muster ab. Gleich der erste Gedanke nach dem Aufwachen dreht sich immer darum, wann es die nächste Rindfleischration zu futtern gibt - die Fleischsucht hat uns anscheinend schon voll im Griff. Während acht bis zehn Stunden sind wir dann tagsüber auf Achse, was auch nötig ist, damit wir die geplante Rundfahrt in zehn Tagen bewältigen können. Ist nach hunderten Kilometern auf der Strasse und stundenlanger Umherfahrt in den Ziel-Orten endlich eine adäquate Bleibe für die Nacht gefunden, gönnen wir uns unseren täglichen Seelenbalsam in Form eines riesigen Rindersteaks und einer Flasche argentinischem Rotwein.

Hunderte Insekten kleben wie Gallionsfiguren platt gedrückt auf der Motorhaube und zeugen von den knapp 2000 Kilometern, die wir in den ersten drei Tagen zusammengefahren haben. Nach unzähligen Stunden auf dem Fahrer- und Beifahrersitz fühlen wir uns in unserem Insektenfänger wie Zuhause. Die Fahrgastzelle ist Wohn-, Ess- und manchmal auch Schlafzimmer in einem. Der Kofferraum dient zugleich als Stauraum und Schrank-Ersatz. So müssen wir unser Gepäck nicht jeden Tag mühsam aus- und wieder einladen. Frisch gewaschene Kleider lassen wir während der Fahrt an der quer über die Rücksitze gespannten Wäscheleine trocknen. Das durch die Fenster einströmende Fahrtwind-Strassenstaub-Gemisch sorgt für eine besonders schonende Trocknung in Rekordzeit.


Die Autovermieterin hat uns den etwas sonderbaren Rat mit auf den Weg gegeben, die Autotüren nachts nicht zu verriegeln, damit Diebe sich nicht genötigt fühlen die Scheiben einzuschlagen, um das Radio entwenden zu können. Aufgrund unserer strengen Sicherheitsrichtlinien für Südamerika kriegen wir es aber beim besten Willen nicht übers Herz, diesem Rat folge zu leisten.



Gefrorenes Wasser in Vollendung

3. Februar 2015

Die unendlichen Weiten Südpatagoniens sind karg und nahezu unberührt. Weit und breit steht kein einziger Baum. Nur die endlose Strasse bahnt sich ihren Weg durch die Walachei und ist Zeugnis menschlichen Schaffens. Kurven sind so selten, dass man fast vergisst, was eine Kurve ist. Kommt nach stundenlanger Fahrt eine sehnlichst herbeigesehnte Strassenkrümmung, wird diese mit phrenetischem Applaus bejubelt. Diese Monotonie hat jedoch bedenkliche Auswirkungen auf unsere Psyche. Fast schon erschreckend, wie viel Nonsens in Form von stumpfsinnigen Liedern und flachen Witzen aus uns heraus sprudelt.

Kurz vor der Verblödung erreichen wir das rettende El Calafate – einen weiteren Höhepunkt und zugleich südlichster Punkt unserer ganzen Reise. Siebzig Kilometer westlich von El Calafate befindet sich der weltweit einzige nicht arktische Gletscher, der noch an Masse zunimmt. Solch gigantische Eismassen und dichter Baumwuchs würde man nur wenige Kilometer neben der wüstenähnlichen Landschaft nicht vermuten.

 

Die gefrorenen Wassermassen des Perito-Moreno sind ein überwältigender Anblick. An höchster Stelle ragt die fünf Kilometer breite Mauer aus purem Eis über 70 Meter in die Luft. Wir erleben aus unmittelbarer Nähe mit, wie der Gletscher kalbt und sich hausgrosse Brocken mit einem knirschenden Geräusch aus der Eiswand lösen und grollend ins Wasser stürzen. Das muss man unbedingt gesehen haben. In den Händen geschmolzenes und in eine Plastikflasche abgefülltes Gletscherwasser nehmen wir als Andenken für das heimische Eiswürfelfach mit.




Unter argentinischer Flagge in Chile

6. Februar 2015

Nach zwei Tagen in El Calafate sind wir körperlich und mental wieder gestärkt und bereit für den Grenzübertritt auf dem Landweg zurück nach Chile. Der Weg dorthin führt über eine scheinbar nur selten befahrene Passstrasse mit Kiesbelag. Ohne Offroad-Fahrzeug eine schwierige Herausforderung. Unser Kleinwagen keucht sich im anaeroben Bereich den Weg hoch. Irgendwo im Nirgendwo taucht dann zur grossen Überraschung tatsächlich ein kleines argentinisches Zollhäusschen auf. Und zur noch grösseren Überraschung wartet bereits ein Zollbeamter mit Stempel in der Hand an seinem Bürotisch. Er freut sich sichtlich über den seltenen Besuch und lässt sich bei der Erledigung des Bürokrams nicht aus der Ruhe bringen. Mit grosser Hingabe prüft er alle möglichen Dokumente und stempelt schwungvoll und gekonnt die Fahrzeug-Papiere ab.

Einige Kilometer entfernt beim chilenischen Hochland-Zollamt angekommen, wiederholt sich das ganze Stempelprozedere. Wegen dem strikten Wareneinfuhrgesetz in Chile lässt es sich der Zollbeamte nicht nehmen, genüsslich in unseren Koffern herum zu wühlen. Verboten sind neben Fleisch und Co. auch Früchte und Gemüse - was uns irgendwie bekannt vorkommt. Die immer noch mitreisende Konservendose Simmentaler-Mett bleibt aber unentdeckt. Dafür wird ein Stück verwittertes Treibholz aus dem Lago Buenos Aires als illegale Schmuggelware klassifiziert und beschlagnahmt.

Die erste Nacht zurück in Chile verbringen wir in einem fern abgelegenen Ort mit dem Namen Cochrane. Die nächste Ortschaft ist rund fünf holprige Autostunden entfernt. Für die eine Nacht sind wir in einem Restaurant mit Zimmern einquartiert, wobei dies durchaus wörtlich zu verstehen ist. Die Türe des Zimmers führt ohne Umweg direkt in den Gastraum des Restaurants. Durch die Türe gehen und zwei Mal umfallen, und schon liegt man unter dem Zapfhahn.



Roadkill und Tramper

8. Februar 2015

Das fluchtähnliche Reiseverhalten mit nie mehr als einer Übernachtung am gleichen Ort setzen wir auch in Chile fort. Das hört sich anstrengend an und ist es auch. Die nächsten Tage verbringen wir daher mehr oder weniger ohne Unterbruch auf der einzigen längs verlaufenden Strasse im Süden Chiles - der Carretera Austral - dem chilenischen Pendant zur Ruta 40. Gebaut bzw. in die Felsen geschlagen wurde sie zur Zeit des Diktators Pinochet, um die entlegenen Ortschaften im Süden des Landes zugänglich zu machen.

Die Strasse besteht ausschliesslich aus Schotter – an ein zügiges Vorankommen ist nicht zu denken. Der von entgegenkommen Fahrzeugen aufgewirbelte Staub ist dermassen dicht, dass die Sicht keine zwei Meter mehr beträgt und das Sonnenlicht für mehrere Sekunden getrübt wird. Unser Insektenfänger ist unterdessen zum Staubfänger mutiert. In jeder noch so kleinen Ritze hat sich eine dicke Schicht des feinkörnigen Strassenstaubs abgesetzt, was sich in Form einer dichten Staubwolke bemerkbar macht, die allmorgendlich zur Begrüssung aus der Klimaanlage schiesst.

Mit einem argentinischen Nummernschild fährt es sich in Chile etwa so, wie mit einem Zürcher Nummernschild in Basel. Gern gesehener Gast ist man nicht unbedingt, was einem mit grundlosem Gehupe und gezeigtem Vogel zu verstehen gegeben wird. Nichts desto Trotz fahren wir munter weiter drauf los. Vorbei geht es an dichten Wäldern, kreisenden Andenkondoren, tiefen Schluchten und Bergen deren Gipfel noch nicht mal Namen haben und die noch immer auf die Erstbesteigung warten. Die Vegetation ist im Vergleich zur kargen Landschaft in Argentinien wesentlich üppiger und von dichten Wäldern überzogen. Ebenfalls auffallend sind die vielen plattgefahrenen Tierkadaver und Autostopper-Touristen, welche sich den Platz am Strassenrand streitig machen. Erstere kleben mit allen Vieren platt gedrückt auf dem Boden, während Letztere mit sämtlichen Gliedmassen und hochgestrecktem Daumen versuchen auf sich aufmerksam zu machen.



Ja, er lebt noch - der Landeklatscher

10. Februar 2015

Nach 1000 Kilometern nonstop auf einer Schotterstrasse mit inbegriffener Sitzfleisch-Dauermassage, einem platten Reifen infolge eines rostigen Nagels und einem erneuten Grenzübertritt zurück nach Argentinien befinden wir uns nach insgesamt 4500 barfuss gefahrenen Kilometern und zehn Tage später wieder am Ausgangspunkt unseres Patagonien-Roadtrips. Was wir mitnehmen, sind unvergessliche Erinnerungen an epische Landschaften und kiloweise verspeiste Rindersteaks, die sogar Vegetarier zur Fleischeslust hätten bekehren können. Als Souvenir bleiben uns auch vier verstaubte Lungenflügel, haufenweise tote Insekten auf der Kühlerhaube, und mir zusätzlich ein durchtrainierter grosser Zeh vom Gasgeben sowie ein deutlich stärker gebräunter linker Arm vom aus dem Fahrerfenster halten.

Zum Abschluss unserer Südamerika-Reise erwarten uns zwei Tage Buenos Aires, wo unsere ausgefeilte Sicherheitsstrategie nochmals so richtig auf die Probe gestellt wird. Man könnte auch sagen es erwartet uns Level 10 in Sachen Sicherheitskonzept-Prüfung. Der Ruf von Buenos Aires ist selbst unter Einheimischen alles andere als glanzvoll. „Passt bloss auf da“ ist der einstimmige Tenor zu unserem Vorhaben, der Hauptstadt einen Besuch abzustatten.

 

Buenos Aires erreichen wir nach zwei Stunden Flug. Unter den Passagieren macht sich eine geradezu euphorische Stimmung über die harte aber doch geglückte Landung breit. Der weltweit in Vergessenheit geratene  Landeklatscher ist hier noch voll angesagt und wird von fanartigen Gesängen, wie man sie aus Fussballstadien kennt, begleitet. Auch wir sind dem Piloten äusserst dankbar, dass er die Kiste wieder heil herunter gebracht hat.

Die Stadt macht ihrem Namen, was übersetzt „gute Lüfte“ bedeutet, alle Ehre. Für eine Metropole mit 13 Millionen Einwohnern ist die Luft erstaunlich gut zu atmen. Die Architektur der Häuser erinnert stark an jene von spanischen Städten. Auch der Lebensstil der Porteños, wie sich die Bewohner nennen, ist dem der Spanier sehr ähnlich – der Siesta und gutem Essen wird grösste Aufmerksamkeit gewidmet. Ein richtiger Argentinier verbringt seine Freizeit vorzugsweise mit einem Tee-Becher in der Hand in einem Park liegend und Mate schlürfend. Während Jugendliche in Europa mit ein paar Bier abhängen und einen Joint im Kreis herum geben, sieht man die ansässigen Halbwüchsigen mit einer Thermoskanne auf dem Rasen chillen und einen aus einem getrockneten Kürbis geschnitzten Mate-Becher in der Runde kreisen lassen.

Direkt um die Ecke von unserem Hotel führt die weltgrösste Strasse mit dem Namen „Avenida 9 de julio“ durch das Stadtzentrum. Auf 140 Metern Breite reihen sich 20 Spuren, die in drei Fussgänger-abschnitte unterteilt sind. Selbst bei einer normalen Gehgeschwindigkeit kann die Überquerung mehrere Minuten dauern. Gute Kondition und ordentliches Schuhwerk sind also empfehlenswert. Selbiges empfiehlt sich auch für den nur an Sonntagen stattfindenden Markt im alten Stadtviertel San Telmo, der sich über 15 Strassenblocks erstreckt und zum stundenlangen flanieren und stöbern einlädt.

Von antikem Krimskrams, über handwerklichen Klimbim, bis hin zu essbarem Plunder wird alles Mögliche feilgeboten. Eine Sehenswürdigkeit der besonderen Art ist der mitten in der Stadt erbaute Friedhof Recoleta. Hier stehen prunkvolle Mausoleen von bekannten Persönlichkeiten, wie Politikern, Schauspielern und Wissenschaftlern dicht an dicht und formieren sich zu einem waren Gräber-Labyrinth. In Frieden zu ruhen dürfte bei dem hohen Touristen-andrang und den pausenlosen Knipsgeräuschen eher schwierig sein.


Auf ein Käsefondue in die Schweiz

12. Februar 2015

Wie die Wurst hat auch unsere Reise zwei Enden - ein vorläufiges und ein definitives. Das vorläufige Ende tritt mit dem Rückflug nach Frankfurt ein. Doch länger als eine kurze Stippvisite in der Heimat soll es nicht geben. Reisemüde sind wir noch lange nicht und die Reisekasse erlaubt einen nochmaligen Aufbruch in fremde Gefilde. Das Damokles-Schwert des definitiven Endes kann also ruhig noch eine Weile über uns schweben bleiben.

 

Wie nicht anders erwartet, ist die Ankunft am Frankfurter Flughafen ein riesen Schock. Es ist tiefster Winter, entsprechend schweinekalt und die Landschaft mit einem Tuch aus Schnee bedeckt. Eben noch im bunten Malkasten Südamerika befinden wir uns jetzt wieder in der grauen Betonwüste. Aber noch viel schlimmer als das Wetter und die fehlenden Farben sind die vielen griesgrämigen Gesichter, die einem den braunen Teint aus der Ferne nicht zu gönnen scheinen. Doch die Vorfreude auf das Wiedersehen mit unseren Familien und die Aussicht auf den bevorstehenden Fondue-Plausch hält uns davon ab, rechtsumkehrt mit dem Flieger zurück nach Südamerika zu fliehen.


Mit einem Fernbus treten wir den vorerst letzten Abschnitt unserer Reise an. Fünf Stunden dauert die Fahrt durch deprimierende Landstriche bis kurz vor die Grenze. Das Städtchen Lörrach ist das grosse Finale, das Schlussbouquet der exakt 180 Tage dauernden Erdumrundung. Ein Ort, der sich zweifelsohne lückenlos in die Liste der besuchten Metropolen dieser Welt einreihen kann. Nach 51'000 Kilometern im Flugzeug, 19’700 Kilometern in Bussen, Autos oder Zügen plus unzähligen Stunden auf diversen Motorbikes schleichen wir die letzten Meter klammheimlich und hinterrücks wieder in die Schweiz ein. Was wir ab diesem Moment aus eigener Erfahrung wissen: Die Erde ist wirklich rund, daran besteht jetzt kein Zweifel mehr.



(Leider verhindert eine schlimme Grippe, die unverzügliche Weiterreise. Evelyn hat es so richtig erwischt. So sind wir gezwungen in winterlicher Atmosphäre auszuharren...)