Des Obst-Schmuggels verdächtigt

26. Dezember 2014

Mit Miesmuscheln nach belgischer Art im vollgeschlagenen Bauch brechen wir um Mitternacht in Richtung Flughafen auf. Die Sitzbänke des mittlerweile geschlossenen Burger Kings spenden uns eine weiche Unterlage für einen kurzen, weihnachtlichen Powernap. Im ganzen Weihnachtstrubel und aufgrund des kurzfristigen Entscheids nach Australien weiterzureisen, ist uns irgendwie entgangen, dass wir für die Einreise ein Visum benötigen. Dies erfahren wir, einmal mehr in letzter Sekunde, von der „freundlichen“ Dame am Checkin-Schalter, was aber für den nötigen Adrenalinschub sorgt und das ungeplante Reisen so spannend macht.

Ein Glück, dass wir das Visum kur vor Abflug um vier Uhr express an einem Schalter beziehen können. Wir sind wohl nicht die Einzigen, denen diese Information irgendwie durch die Lappen gegangen ist. Nach der gründlichen Überprüfung von Evelyns Handgepäck auf Sprengstoff sitzen wir kurze Zeit später unbehelligt im Flugzeug nach Sydney.

 

Wie schon die Neuseeländer haben auch die Aussies panische Angst vor Ausländer-Bakterien. Getragene Wanderschuhe zum Beispiel müssen im Einreiseformular deklariert und bei der Einreise mit Chemikalien dekontaminiert werden. Deklarierungspflicht gilt auch für jegliche Art von Früchten.

Bewaffnet mit drei Kiwis, einem Apfel und einer Hand voll Haselnüssen im Gepäck landen wir in Sydney. Um Nahrungsmittelschmuggel im Kavaliersdeliktbereich und dessen Folgen haben wir uns (berechtigterweise) bis jetzt noch nie einen Kopf gemacht. Doch das Bauchgefühl sagt uns, dass wir diesmal lieber Vorsicht walten lassen sollten. Mit den paranoiden Australiern ist vermutlich nicht zu spassen. Kurzerhand verschwinden die Früchte einige Meter vor der Grenzkontrolle unbemerkt in einem Mülleimer. Und siehe da, das Bauchgefühl hat sich bewahrheitet. Auf dem Weg zum grünen Grenzausgang (ohne Warendeklaration) werden wir von einem Beamten in Zivil aufgegriffen und zum roten Ausgang geführt.

Hier empfängt uns auch schon eine sadistisch blickende, unsinnigerweise in getarnter Camouflage-Uniform gekleidete Grenzbeamtin. Wie Schwerverbrecher behandelt, müssen wir uns mit anderen des Obstschmuggels bezichtigten Verdächtigen in einer Linie neben unserem Gepäck aufstellen und warten. Dann wird der auf Früchte abgerichtete Spürhund auf unser Gepäck gehetzt. Und prompt stürzt er sich direkt auf Evelyns Plastiktüte, wo zuvor noch die Früchte drin transportiert wurden und lässt nicht mehr von ihr ab. Für den Chief-Officer ein ganz klares Zeichen. Siegessicher und sich wohl schon auf eine Verhaftung freuend steuert er Evelyns Gepäck an und fragt mit zynischem Grinsen: „Na und wie geht’s denn so?!?“ Evelyn kontert mit einem ebenfalls siegessicheren „Danke, gut!“ Verwundert sucht der Officer nach der nicht vorhanden Schmuggelware und ist sichtlich traurig nur Geruchsspuren gefunden zu haben. Das letzte Minipic in meinem Koffer hat der Hund offensichtlich auch nicht bemerkt. Wir kommen ungeschoren und ohne Bussgeld davon und erhalten den australischen Stempel in unseren Pass.




Leiste rieselt hier gar nichts

28. Dezember 2014

Die Reise nach Sydney war ursprünglich nicht geplant. Stattdessen hätte der Weg nach Südamerika über die USA führen sollen. Doch dieses Land scheint für uns wie eine uneinnehmbare Festung zu sein. Aufgrund unserer alten Pässe bräuchten wir ein Visum, welches um die Weihnachts- und Neujahrszeit nicht in Windeseile beschaffbar ist und mit einem weiteren, zwei wöchigen Aufenthalt in Auckland verbunden gewesen wäre. Sei’s drum. So verbringen wir den zweiten Weihnachtstag wohl oder übel unter südaustralischer Sonne bei um die 30°C ganz ohne Schnee oder klirrender Kälte. Zugegeben, es gibt schlimmeres. Und das Visum hierhin gab es wesentlich günstiger und unkomplizierter.

Die wohl bekannteste Stadt Australiens liegt direkt am Meer und schmückt sich mit einer tollen Skyline und dem architektonisch unverwechselbaren Opernhaus. Aufgrund der Feiertage ist die Millionenstadt zum bersten voll mit zig tausenden Touristen, die ebenfalls der weltweit bekanntesten Neujahrsfeier entgegen sehen.


Bereits an den hohen Hotelstandard gewöhnt, können wir es nicht lassen uns auch hier in Down Under eine noble Absteige mitten im Zentrum zu gönnen. Es ist einfach zu schön, wenn es nicht durch die Decke tropft, man sich in der Badewanne oder dem Pool entspannen kann und notfalls mit dem direkt neben der Kloschüssel montierten Telefon Nachschub an WC-Papier bestellen könnte. Vergessen sind die Tage auf engem Raum und undichter Decke aber nicht und missen möchten wir die Erfahrung keinesfalls.




Zschschsch... Peng – Happy New Year!!!

30. Dezember 2014 / 1. Januar 2015

Zum Abschluss des alten Jahres lassen wir es uns die Tage in Sydney so richtig gut gehen. Unser Erlebnisprogramm beinhaltet das typische Touristen-Pflichtprogramm. So zum Beispiel den Besuch des Wildlife-Zoos, wo wir Kängurus in echt, als Plüschtier und als getrockneten Snack in Plastiktüten zu sehen bekommen. Auch das Wildlife-Aquarium fasziniert mit überdimensionalen Krebsarten, Haifischen, Mantarochen und Seekühen. Die weitaus amüsanteste Unterhaltung bietet aber das Wachsfigurenkabinett wo wir auf Grössen wie Barak Obama, Bruce Willys, E.T. und Lady Gaga sowie einige wurstprominente Persönlichkeiten aus Australien treffen.

Das aufgrund der Zeitverschiebung für uns um zehn Stunden verkürze Jahr neigt sich dem Ende zu. In bester Poleposition mit ungehinderter Sicht auf die Harbourbridge und das Opernhaus geniessen wir am Silvesterabend das Bad in der Menge u.a. in mitten von jugendlichen Sprachschülern, Austauschstudenten aus aller Welt, auf Gemüsefarmen arbeitenden Langzeit-Backpackern und coolen Surfern. Das stundenlange bangen auf das Spektakel hat sich aber sehr gelohnt. Das neue Jahr wird mit einem fulminanten Feuerwerk der Extraklasse eingeläutet. Leider jedoch hatte irgendeine Spassbremse im Regierungssitz die glorreiche Idee zur Neujahrsfeier ein Alkoholverbot auf gewissen öffentlichen Plätzen einzuführen. So rutschen wir gezwungenermassen trocken ohne einen Tropfen Sekt ins neue Jahr – dafür aber auch ohne Kater am Morgen danach... Happy New Year!!!!!