Down Under – vier Stunden auf australischem Boden

17. Oktober 2014

Der Abschied aus der uns in den vergangenen zwei Monaten noch lieber gewordenen asiatischen Kultur fällt nicht leicht. Die Sanftmut der Menschen, die Offenheit und grundlegend positive Lebenseinstellung, die enorme Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft und besonders auch das Freiheitsgefühl auf einem Motorbike die Strassen noch unsicherer zu machen, als sie es sowieso schon sind – all dies werden wir sehr vermissen. Doch es warten neue, bisher unbekannte Gefilde auf uns und ein weiterer Lebenstraum wird schon bald in Erfüllung gehen. Baden im Fiji-Wasser steht als nächstes auf dem Gute-Laune-Programm.

 

Indonesien lassen wir wehmütig hinter uns. Das Positive daran: wir sind somit auch aus der Gefahrenzone einer allfälligen Todesstrafe. Der mit teilweise noch betrunkenen australischen Billigurlaubern voll gestopfte Flieger der Virgin Airline befördert uns zuerst nach Brisbane, zurück in die „gewöhnliche“ Welt. Anscheinend sind wir schon so weit gegen Osten vorgedrungen, dass wir uns bereits wieder im Westen befinden. Mit unserem auf asiatische Verhältnisse angepasstem Englisch kommen wir hier nicht weit. Die uns gestellten Fragen der Zollbeamten bei der Transitkontrolle verstehen wir nur ansatzweise. Ein ekelhaftes Englisch, dass hier durch die Lippen gemurmelt wird. Hüpfende Kängurus sind wider Erwarten keine in Sicht. Nur welche aus Kunststofffaser für 20 Dollar im Duty-free-Shop. Zeit, um Trübsal zu blasen, bleibt zum Glück nur wenig. Nach einer kurzen Stückvisite sitzen wir bereits wieder im Flieger. Dreieinhalb Stunden später geht der lang gehegte Traum endlich in Erfüllung – die Landung in Fiji.    


Bula Bula – das grosse Hallo am Ende der Welt

18. Oktober 2014

Mittlerweile sind wir am Ende der Welt und ca. 21'000 Kilometer Luftlinie auf der gegenüberliegenden Seite von der guten alten Heimat angelangt. Zehn Stunden sind wir bereits in die Zukunft gereist und befinden uns im südpazifischen Ozeanparadies Fiji auf der Insel Viti Levu, ca. 1000 Kilometer östlich von Australien und ebenso viele Kilometer nördlich von Neuseeland. Ein bisschen Pipi in den Augen bei der Landung können wir uns nicht verkneifen. Es ist einfach nur schön, hier zu sein.

Freundlich werden wir am Flughafen von drei Gitarre spielenden und dazu Südsee Lieder singenden Fijianern mit „Bula“ begrüsst, was so viel heisst, wie „Hallo“. Sogar die Zollbeamten tragen ein Lachen auf den Lippen und strahlen eine bei noch keinem Beamten jemals zuvor gesehene Empathie aus. Selbst bei der Stempelplatzierung in unseren Pässen wird genau auf unsere Wünsche eingegangen. Auf die Seiten fünf und neun – und schön zentriert.

Als wäre das nicht schon genug des warmen Empfangs, werden wir von einer freundlich lachenden, gut genährten und in Blumenhemd gekleideten Fijianerin erwartet. In Ihren Händen trägt sie ein Willkommensschild mit unseren Namen in grossen Buchstaben. Natürlich gibt auch sie ein Bula zu ihrem Besten - unsere Freude ist in Taumelstimmung. Nach einer kurzen Autofahrt kommen wir bei unserem neuen Zuhause auf Zeit an – dem idyllisch klingenden Wailoaloa Beach Resort. Es liegt zwar nicht am Strand, wie der Name verspricht, dafür befindet sich die Landepiste in direkter Nachbarschaft. Die Flugzeuge donnern so tief über uns hinweg, dass wir das eigene Wort nicht mehr verstehen. Der Flugverkehr ist zum Glück nicht wirklich rege und wir – man kann schon fast sagen Flugzeugfans – sind von jeder startenden und landenden Maschine fasziniert.

Das lang ersehnte Fiji-Wasser lässt nicht lange auf sich warten. Zum Auftakt unseres Fiji-Wasser-Kuraufenthaltes gönnen wir uns gleich mal eine Dusche mit dem edlen Wässerchen und direkt im Anschluss je eine 1,5 Liter Flasche auf ex. Das Wasser schmeckt wirklich einmalig und fühlt sich sowohl auf der Haut wie auch im Mundraum samtig weich an. Kein Wunder, denn das Wasser hat sich über Jahrhunderte durch kalkfreies Vulkangestein gekämpft bis es schliesslich frisch ab Quelle gezapft wird. Wir lassen es uns schmecken und geniessen den gustatorischen Luxus. Was in der Schweiz nur in exquisiten Läden für um die CHF 10.- pro Liter erhältlich ist, gibt es hier in jedem Supermarkt zum Schnäppchenpreis oder sogar kostenlos direkt ab Wasserhahn! Selbst die Klospülung wird mit dem edlen H2O gespeist.


Die Minipic und die drei Packungen Bündnerfleisch haben es unbemerkt durch die Zollkontrolle geschafft und geniessen mit uns den fijianischen Lebensstil. Wären die Fleischberge entdeckt worden, hätte eine saftige Geldstrafe oder gar bis zu mehreren Monaten Gefängnis gedroht. Doch dieses Risiko war es absolut wert. Das Fleisch hat durch die bisher zehn zurückgelegten Flüge und das Passieren von vier Grenzkontrollen eine Geschmacksveredelung erfahren dürfen, welche sich in einer einzigartigen Geschmacksnote bemerkbar macht.



Fiji-Time – Zeitlupe neu definiert

20. Oktober 2014

Die Bula Bevölkerung setzt sich hauptsächlich aus zwei Bevölkerungsgruppen zusammen. Zum einen sind das die Ureinwohner bzw. originalen Fijianer. Erkennbar an den Bewegungen in Zeitlupe, dem dicken in Röcke gezwängten Hintern (Frauen UND Männer) und der unglaublich schrecklichen gelockten Alte-Oma-Kurzhaarfrisur, welche von Frauen etwas länger, von Männern etwas kürzer mit Stolz getragen wird. Die andere Gruppe besteht aus Indern, welche zur Zeit der Kolonialisierung vor rund 200 Jahren als Arbeitskräfte angeschippert wurden. Diese erkennt man, nebst der schöneren Frisur, am seitlichen Kopfnicken und am vergleichsweise hohen Arbeitstempo, das an den Tag gelegt wird. Die beiden Volksgruppen respektieren sich zwar, wollen aber nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben. Verständlich, wenn Arbeitsbiene auf Lahmarsch trifft.

Die originalen Fijianer sind so was von entspannt, wie ein Nicht-Fijianer auch nach einer ganzen Packung Baldrian und zwei Litern Beruhigungstee nicht sein kann. Das fast schon lethargische in den Tag hineinleben und arbeiten in Zeitlupe wird mit der hier geltenden Fiji-Time begründet. In unserer Unterkunft werden daher einiges mehr Angestellte benötigt, als Gäste zu Gast sind, damit alle Arbeiten erledigt werden können. Auch Verspätungen werden mit der hier tickenden Fiji-Time entschuldigt. Zu hohe Erwartungen an Pünktlichkeit seitens auswärtiger Menschen werden durch die Fiji-Time bereits im Keim erstickt. Fragt man zum Beispiel danach, ob das Schiff um neun Uhr die Segel streicht, wird die erwartete Pünktlichkeit mit einem freundlichen „Yes, but Fiji-Time“ zu Nichte gemacht. Da wir ohne Uhren unterwegs sind und den Stress nicht mit auf die Reise genommen haben, kommt uns die Fiji-Time gerade recht. Viel wichtiger und wertvoller ist ohnehin die unübertreffliche Freundlichkeit der Fijianer. Die durch langsame Bewegungen gesparte Energie wird dafür in ein umso grösseres Lächeln und ein umso freundlicheres Bula investiert. Das Schöne daran: die relaxte Lebenseinstellung ist irgendwie ansteckend.



Der Südsee-Zonk  -  Island-Hopping auf den Yasawas

22. Oktober 2014

Die letzten beiden Tage haben wir uns vom leichten Jetlag erholt und unser nächstes Vorhaben, eine Insel-Hüpf-Tour, geplant und gebucht. Die Badehosen im Gepäck sind auf Entzug nach salzigem Nass. Höchste Eile, dass sie bald wieder im Meer gebadet werden.


Das Yasawa-Inselarchipel zählt zur schönsten aller Inselgruppen hier in Fiji. Klarer Fall, dass wir uns das süsse Inselleben nicht entgehen lassen. Am Abend vor der Abreise packen wir nur das Nötigste für die nächsten Tage ein. Das heisst Badehosen, Zahnbürsten, ein paar T-Shirts, Tücher und natürlich eine Ration Notfallfleisch – sicher ist sicher. Unser Hauptgepäck lagert zwischenzeitlich auf der Hauptinsel. Endlich sind wir für einige Tage diesen Ballast an Gepäck los. Da Trinkwasser auf den Inseln angeblich schweineteuer ist, nehmen wir noch 18 Flaschen originales Fiji-Wässerchen vom besten Jahrgang mit. Dann sind wir startklar für die Expedition.

Von einem Bus abgeholt, geht es am nächsten Morgen zuerst zum Hafen nach Denarau. Mit einem motorisierten Katamaran, der von Insel zu Insel fährt und hauptsächlich Touristen und Warennachschub für die Resorts befördert, werden wir zuerst zum Umsteige-Treffpunkt gefahren, wo wir mitten auf hoher See in ein kleineres Boot umsteigen. Mit diesem werden wir anschliessend praktisch bis vor die Haustüre unserer direkt am Strand gelegenen Bure gebracht - einer einfachen, landestypischen Bambus-Behausung mit Wellblechdach. Die letzten Schritte waten wir barfuss durch knietiefes Wasser und weissen Korallensand. Da kommt fast schon Robinson-Stimmung auf.

Auf der Insel Drawaqa (für Touristen trägt sie den reisserischen Namen „Barefoot Island“) bleiben wir für die nächsten drei Tage und Nächte. Doch echtes Robinson-Feeling will leider noch nicht so richtig aufkommen. Noch bevor wir unsere Bure beziehen und uns vom Wellengang erholen können, werden wir von einem Insulaner mit einem Animations-Bula begrüsst, der mit einem noch lauteren Touristen-Bula und einem sogenannten „Big-Bula-Smile“ erwidert werden muss. Das Spielchen dauert so lange, bis es dem Animationsfritzen endlich laut genug ist. Schrecklich. Man stelle sich vor, dass ein Chinese in einem Schweizer Alpenhotel zuerst ein lautes Grüezi von sich geben und einen Big-Grüezi-Smile aufsetzen muss, bevor er sich von den kurvigen Passstrassen erholen darf. Anstelle eines Begrüssungs-Cocktails erhalten wir einen Zettel mit viel Kleingedrucktem, der so aussieht wie die allgemeinen Geschäftsbedingungen von einem Vertragsanhang. Es handelt sich hierbei um die Haus- bzw. Inselordnung mit einer klaren Weisung, was man darf und was man zu unterlassen hat. Bevor dieser Wisch nicht unterschrieben ist, gibt es auch kein Bett, geschweige denn etwas zu Essen.

Wenn wir gerade beim Essen sind: Es gibt fixe Essenszeiten, welche pünktlich um 8, 13 und 19 Uhr (und zwar nicht Fiji-Time) mit wildem Getrommel eingeläutet werden. Wer nicht rechtzeitig erscheint, hat Pech gehabt und muss sich mit knurrendem Magen bis zum nächsten Trommelwirbel gedulden. Überhaupt nicht locker, wie es sonst in Fiji so zu und her geht. Die Nahrung einverleibt wird an Gruppentischen, welche die romantische Inselstimmung zur Schullageratmosphäre verkommen lassen. Schade! Anscheinend haben wir gleich zu Beginn unseres ersehnten Traumurlaubs die Zonk-Insel erwischt. Ein klassischer Griff ins Klo, kann man sagen. Zum Glück wird Fiji-Gold-Bier ausgeschenkt, mit dem wir unsere Stimmung wieder aufpäppeln können.

Die Insel ist klein und schön, aber leider nicht das, was wir vom hochgelobten Fiji erwartet haben. Auf unseren bisherigen Reisen haben wir schon etliche Traumstrände geniessen dürfen und können somit einen Vergleich ziehen. Es klingt vielleicht nach Klagen auf hohem Niveau, aber echtes Südsee-Feeling will leider noch nicht aufkommen.



Entspannung par Excellence

23. Oktober 2014

Immerhin der Name der Insel hält, was er verspricht und ist Programm: Schuhwerk ist überflüssig, denn feste Wege gibt es keine - gehen tut man hier ausschliesslich barfuss. Auch die aus Sperrholz gezimmerten Gemeinschafts-Toiletten und Duschen versprühen einen Hauch von der gesuchten Robinson-Atmosphäre. Der überpünktlichen Essenstrommel zum Trotz, geniessen wir die drei Tage auf der Insel fern ab von Hektik und Verkehr. Sogar das auf Nadi gemächliche Arbeitstempo, wird hier als stressig empfunden, wie uns Pole der Tauchinstruktor weismacht. Hier ist die totale Entschleunigung angesagt. Unser Aktivitätenprogramm für die nächsten Tage: Baden im Meer, den Bräunungsgrad der Hautfarbe vertiefen, eine Kayakfahrt zur unbewohnten Nachbarinsel sowie ein Fussmarsch auf den Höchsten Punkt der Insel (ca. 30 Meter über Meer).

Die Angestellten der Unterkunft leben uns vor, was es heisst, gleich mehrere Gänge herunter zu schalten. Man könnte meinen, sie befinden sich ebenfalls im Urlaub. Anstelle des Besens zu schwingen, wird gerne mal im Bett des Gastes ausgeruht. Ein Volleyball-Match als Alternative zum Arbeiten gefällig? Die ganze Belegschaft ist gerne am Start, während die Gäste an die Seitenlinie zum Zuschauen verbannt werden. Die Uhren ticken hier wirklich in eine ganz andere Richtung. Wir sind froh, haben wir noch eine weitere Insel auf unserem Reiseplan stehen und sind dann auch nicht den Tränen nahe, als uns das Boot wieder abholt und wir die Insel verlassen. Schön war’s auf jeden Fall und erholt sind wir fast mehr als uns lieb ist.


Das Non-Plus-Ultra

24. Oktober 2014

Alleine schon der Empfang auf unserer neuen Wahlinsel Nacula ist der pure Paradigmenwechsel. Festlich gekleidete Bula Brüder und Schwestern empfangen uns mit einem typisch fijianischen Lied und einem mehrstimmigen Bula. Alleine schon dem Tonfall des Begrüssungs-Bulas ist zu entnehmen, dass man sich über unsere Ankunft mehr als freut. Anstelle der Hausordnung bekommen wir einen Drink aufs Haus spendiert. Hier weht ein ganz anderer Wind – echtes Südsee-Feeling hält Einzug. Endlich sind wir dort angekommen, wo wir uns hin sehnten: Im Südsee-Paradies.

Die Schönheit dieser wunderbaren Lagune namens Blue Lagoon lässt sich kaum in Worte fassen. Verschiedene ineinander fliessende Türkisfarbtöne orchestrieren sich zu einem pittoresken Südsee Traum. Ein wahrliches Meisterwerk, was die Natur hier gezaubert hat. Das toppt nun wirklich alles jemals zuvor Gesehene. Wir sind endlich mal sprachlos.

Der fabelhafte Tag neigt sich dem Ende zu. Zur Feier des Diwali-Lichterfests wird ein opulentes viergängiges indisches Nachtessen an einem Zweiertisch mit Kerzen serviert. Die lauwarme, lieblos servierte kalte Grütze an der Gruppentränke auf der Bäh-Food Island ist längst Geschichte.





Ominöser Wurzeltrunk - Kavaritual in Navala

27. Oktober 2014

Die sieben Tage auf den Yasawas waren unbeschreiblich, zumindest die zweite Hälfte auf Nacula war der absolute Traum. Nun sind wir wieder zurück auf der Hauptinsel Viti Levu und sind gespannt darauf, das originale Fiji zu entdecken. Da Motorbikes in Fiji zu unserem Leidwesen leider absolut unpopulär sind, gibt es zur Abwechslung einen fahrbaren Untersatz mit vier Rädern. Von einem geschäftstüchtigen Inder mieten wir einen links gesteuerten Toyota Corolla. Die schmucke Kiste mit einem sonderbaren Innenraumgeschmack und geschickt kaschierten Roststellen hat schon 250'000 Kilometer auf dem Buckel bzw. bereits mehr als fünfmal den Globus umrundet! Aber Hauptsache die Karre fällt nicht auseinander und bringt uns, wenn auch unsicher, von A nach B und von da aus wieder zurück nach A.

Unser heutiges Ziel ist ein abgelegenes, traditionelles Dorf in Mitten der Hügellandschaft von Ba im Norden der Insel. Das Spezielle an diesem Ort: Die ansässigen Leute leben noch wie vor einhundert Jahren – ohne Strom und in herkömmlichen Bambushütten mit Strohdächern. Die Fahrt nach Navala führt über holprige, unbefestigte Wege. Ohne Vierradantrieb eine echte Herausforderung, aber trotzdem die Gelegenheit für Evelyn das Steuer und Gaspedal zu übernehmen und ihre erste offizielle Fahrstunde auf Fiji zu absolvieren. Obwohl sie keinen Führerschein besitzt, meistert sie die Strecke bravourös.


Freudig werden wir von den Dorfbewohnern oder besser gesagt Ureinwohnern begrüsst. Kinder springen uns aus den Bambushütten entgegen, die älteren Menschen winken uns zu. Jede unserer Bewegungen wird mit staunenden Augen mitverfolgt. Zur Begrüssung werden wir auf ein Kava-Ritual in die Hütte einer Frau namens Philomena eingeladen. Kava ist ein würziger Sud, der aus Wasser und getrockneter Kava-Wurzel zubereitet und dem eine Flash ähnliche Wirkung nachgesagt wird. Bei diesem Ritual wird abwechselnd aus einer Kokosnussschale getrunken.

Jeder der an die Reihe kommt, klatscht zuerst einmal in die Hand und sagt das Wort „Bula“. Dann muss die Schale in einem Zug leergetrunken, dreimal geklatscht und das Wort „Mada“ ausgesprochen werden. Derweilen klatschen auch die anderen, dem Ritual beiwohnenden Anwesenden in die Hände und murmeln dabei Bula und Mada vor sich hin. Die Einwohner Fijis haben bis Mitte des 19. Jahrhunderts noch munter dem Kannibalismus gefrönt. Da man sich nie so genau sicher sein kann, ob mittlerweile alle der Menschenfleischeslust entsagen, trinken wir lieber nicht zu viel von dem betäubenden Trunk - nicht, dass wir noch im Kochtopf enden.

Umzingelt von einer Kinderschar führt uns Philomena nach dem Ritual durchs Dorf und erzählt uns, wie hier gelebt wird. In einer Hütte, bestehend aus nur einem Raum, wohnt jeweils eine ganze Familie von durchschnittlich acht bis zehn Personen. Elektrogeräte gibt es keine. Lediglich dem Dorfhäuptling gebührt das Privileg eines mit Solarstrom betriebenen Fernsehers. Einer der Einwohner ruft wilde Buschgesänge durchs ganze Dorf. Noch leicht benebelt vom Kava-Gebräu heisst das in unseren Gedanken übersetzt so viel wie: „Hey, hört mal alle her. Da kommt Frischfleisch! Stellt schon mal den Topf übers Feuer. Jetzt gibt’s lecker Essen“. Zu unserer Beruhigung erklärt Philomena, dass mit diesen Rufen lediglich mitgeteilt wird, wer an diesem Abend für die Zubereitung des Essens für die ganze Dorfgemeinschaft verantwortlich sei. Hauptsache wir stehen nicht auf dem Menüplan.