Reise ins Ungewisse

27. Oktober 2014

Als wir noch auf den Yasawas weilten, hat Pole der Tauchguide uns den Tipp gegeben, nach Vanua Levu weiter zu reisen. Da liegt, so sagen Einheimische, das versteckte Paradies, das ursprüngliche Fiji fern ab der touristischen Pfade. Genau danach haben wir gesucht. Damit wir das echte Fiji-Leben kennen lernen können und nicht in einem Gästehaus zu nächtigen brauchen, hat Pole organisiert, dass wir bei seinem Onkel und seiner Tante wohnen können. Zwei Tage vor Anreise melden wir uns bei Onkel Dan und machen einen ungefähren Treff- und Zeitpunkt aus, ohne zu wissen, was uns erwarten wird.

Mit einem kleinen Flieger der Fiji Airways setzen wir zwei darauf folgende Tage über auf die Insel Vanua Levu, der kleineren Schwesterinsel von Viti Levu. Aufgrund der aufziehenden Gewitterfront wird das Flugzeug heftig durchgeschüttelt. Glücklicherweise dauert der Flug nur eine dreiviertel Stunde. Bei der Landung in Lambasa regnet es in Strömen. Der Flughafen ist sehr klein und etwa von der Grösse eines Hobbypiloten Flugplatzes. Es gibt nur eine kurze Landebahn und ein Gebäude. Abflug- und Landehalle, wenn man es mit zweieinhalb Meter Deckenhöhe so bezeichnen kann, befinden sich beide im selben Raum. Abfliegende Fluggäste vermengen sich mit landenden Passagieren zu einem grossen Durcheinander. Die Gepäckausgabe erfolgt nicht über ein Fliessband - die Gepäckstücke werden alle auf einem Anhänger in den Raum gebracht, wo sich jeder sein Gepäck unter dem Kofferberg heraussucht.

Leider haben wir den letzten Bus nach Nabalebale verpasst, wo wir Onkel Dan treffen wollen. Als Alternative bleibt uns nur eine Taxifahrt. Glück im Unglück: Wir haben das Vergnügen von der einzigen Taxifahrerin von ganz Vanua Levu chauffiert zu werden. Das Gefährt ist eine klapprige alte Karre mit bereits 350'000 gefahrenen Kilometern. Damit hat es sogar mehr als die Strecke bis zum Mond hinter sich - ein Wunder, dass es noch fährt. Hingegen ist es nicht verwunderlich, dass der Regen durchs Dach tropft und wir die kurvige Fahrt auf nassen Sitzen und mit zunehmend nasser Kleidung fristen müssen.

Während der einstündigen Fahrt sind wir damit beschäftigt, dem eintretenden Wasser mit einem löcherigen Lappen entgegen zu wirken. Mit dem Mobiltelefon der indisch stämmigen Taxifahrerin kontaktieren wir Dan, um einen genauen Treffpunkt auszumachen. Wir sind sehr gespannt, wer dieser Dan ist und worauf wir uns einlassen. Während ich insgeheim von einem utopischen Himmelbett träume, hat Evelyn nüchterne Erwartungen und befürchtet auf nacktem Boden schlafen zu müssen. Die Spannung steigt...


Zu Gast am Arsch der Welt

28. Oktober 2014

Die von Regenwolken verdeckte Sonne steht bereits hinter dem Horizont, als wir den vereinbarten Treffpunkt erreichen. Obwohl wir uns noch nie zuvor gesehen haben, werden wir von Onkel Dan herzlich empfangen und begrüsst, wie alte Freunde. Für die letzten paar Kilometer bis zu seinem Haus müssen wir in einen Pick-Up Jeep umsteigen, da die Schotter-strasse aufgrund des starken Regens für die alte Taxi-Karre unpassierbar ist.

 

Onkel Dan (62) und seine Frau Fina (60) leben in Mitten der Natur in einfachsten, man kann fast schon sagen primitiven Verhältnissen in einem kleinen, vor 40 Jahren selbst gebauten Haus direkt am Meer, umgeben von riesigen Palmen. Das Land, auf dem das Haus steht, gehört einem Australier. Dan erhält für die Bewirtschaftung der 200 Hektaren umgerechnet gerade mal CHF 200.- pro Monat. Zusatzverdienst liefert die Gewinnung von Kokosnuss-Fruchtfleisch, welches mit blossen Händen und einem scharfen Messer gewonnen werden muss. Doch das damit verdiente Geld ist lediglich ein kleiner Zustupf.

Gekocht wird meistens vor dem Haus auf einem Feuer, welches mit Kokosnuss Schalen gespeist wird. Getrunken wird das in einer Tonne gesammelte Regenwasser oder Kokosnusssaft. Strom liefert ein kleiner Generator, der wenn überhaupt, dann nur abends für maximal eine bis zwei Stunden angeworfen wird. Dan und seine Frau sind Selbstversorger. Gegessen wird, was das Meer oder die Natur hergeben oder was selbst angepflanzt wurde. Lediglich Salz, Zucker, Mehl und Reis wird auf dem Markt eingekauft. 

Fleisch gibt es nur aus der Dose und wenn frisch, dann nur zu speziellen Anlässen, da das knappe Geld dafür nicht ausreicht. Die Kleider, die sie tragen, kaufen sie im Secondhand-Laden und stammen ursprünglich aus Australien, wo sie der Kleiderhilfe mitgegeben wurden. Und obwohl die beiden praktisch nichts besitzen, teilen sie alles bedingungslos mit uns. Wir bekommen das einzige Zimmer mit Türe und einem Bett, während sie auf einer dünnen Matratze auf dem Boden schlafen. Die Gastfreundschaft ist einfach überwältigend. Für Onkel Dan und Tante Fina eine Selbstverständlichkeit.

Bereits um 7 Uhr am nächsten Morgen steigt uns der Duft von frisch zubereitetem Frühstück in die Nase: Gemüse-Curry mit Kokosreis. Obwohl wir beide keine begnadeten Frühstücker sind, schaufeln wir des Anstands halber tapfer ein paar Hände voll in unsere noch gähnenden Mäuler. Nach einer kurzen Verschnaufpause beginnt Tante Fina bereits mit der langwierigen Zubereitung des Mittagsessens. Evelyn hilft ihr dabei, die frisch gefangenen und einzeln mit Liebe getöteten Land-Krabben zu putzen, während ich die von Onkel Dan und seinen Kollegen ausgehölten Kokosnussschalen mit einer Schubkarre abtransportiere. Zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Fiji sehen wir Menschen, die beim Arbeiten schwitzen.

Nach der Arbeit und den leckeren, sehr sauber geputzten Krabben erzählt uns Onkel Dan viel Interessantes über das Land und die Leute, die Flora und Fauna von Fiji. Abends unter schummrigem Licht erfahren wir dann auch, was uns seit Ankunft im Süd Pazifik brennend interessiert – die Sache mit dem Kannibalismus. Die Details, wie das Fleisch genau zubereitet und verspeist wurde, sparen wir uns an dieser Stelle. Onkel Dan kann sich einen Spruch mit Augenzwinkern zu diesem Thema nicht verkneifen und meint: „Ihr beiden sieht aber lecker aus.“



Fahrt im Halleluja-Bus

29. Oktober 2014

Heute steht Einkaufen auf dem Tagesplan. Das Benzin für den Stromgenerator ist gestern ausgegangen, zudem fehlt es an Mehl und Tee. Doch um einzukaufen genügt nicht nur ein kurzer Spaziergang um die Ecke. Die nächste Einkaufsmöglichkeit befindet sich in Savusavu in ca. zwei Stunden Entfernung – für eine Strecke wohlgemerkt. Die Einkaufstour beginnt mit einem Fussmarsch durch einen Palmenwald bis zur Strasse, wo wir auf den Bus warten. Tante Fina watschelt mit von der Nässe quietschenden Gummisohlen voraus und gibt das Tempo vor. Da der Fahrplan auf Fiji-Time basiert und der Bus nur zwei Mal pro Tag fährt, empfiehlt es sich früh genug am Strassenrand zu stehen. Nach wiederum 20 Minuten Wartezeit kommt die fensterlose alte Rochel dann angekrochen. Auf unasphaltierter und mit Schlaglöchern durchsetzten Strasse schleppt sich die Blechkiste auf vier Rädern zeitweise im Schritttempo den Berg hoch.

Auf halber Strecke steigt ein hinkender Typ ein und plustert sich mitten im Bus in Blickrichtung der Fahrgäste auf. Sofort fängt er mit ernsthafter Miene und finster blickenden Augen wie wild an zu gestikulieren und laut zu lamentieren. Das ganze hört sich an wie eine Hasspredigt auf Fijianisch. Wir verstehen nur „Oh Lord“, „Halleluja“ und „Jesus“. Entweder es handelt sich um einen Irren oder um einen fanatischen Pfarrer, der seinen Job etwas zu ernst nimmt und es selbst in der Freizeit nicht lassen kann, Reden zu schwingen.

Zwischendurch nimmt er eine abgegriffene Bibel in die Hand und hält sie fast schon drohend in Richtung Decke. Seine mittlerweile zornig blickenden Augen stechen aus den Augenhöhlen hervor, die Mundwinkel zur Dobermann-Schnauze geformt, sein Hemd flattert theatralisch im starken Fahrtwind. Draussen verdecken dunkle Wolken den Himmel. Zur vollkommenen Filmreife fehlt nur noch, dass ein Blitz neben ihm einschlägt. Ganz geheuer ist uns nicht mehr. Immer noch fürchtend auf Fiji in einem Kochtopf zu landen, meint Evelyn zu verstehen, dass er die Worte „Grill the tourists - in the name of Jesus“ in den Mund genommen hat - zumal sich dann auch noch alle Passagiere gleichzeitig nach uns umdrehen. Doch so weit kommt es zum Glück nicht! Wir beobachten, wie aussteigende Gäste sich mit einem Händedruck und einer kleinen Kollekte von ihm verabschieden. Bei der Endstation werden auch wir beide per Hände druck und einem „Jesus“ mit auf den Weg verabschiedet. Wie wir im Nachhinein von Tante Fina erfahren, war es tatsächlich ein Pfarrer, der seiner täglichen Verpflichtung nachgeht und jeden Morgen im Bus eine Predigt hält. Offenbar kommt die doch sehr aggressive und einschüchternde Art, den Menschen die Bibel näher zu bringen, sehr gut an.

Nach weiteren anderthalb Stunden Busfahrt kommen wir nach insgesamt knapp drei Stunden Gesamtzeit in der von Onkel Dan in jedem dritten Satz erwähnten und hochgelobten „Stadt“ an. Was hier als eine Stadt gilt, hat in der Schweiz nicht einmal das Prädikat Dorf verdient. Savusavu besteht aus nur einer Strasse mit ein paar von Indern betriebenen Shops, einem Markt und ein paar Gästehäusern. Mit ihrer bis über den Bauchnabel hängenden Oberweite marschiert Tante Fina stolz gebrüstet mit uns beiden gebräunten Bleichgesichtern im Schlepptau durch die Strasse, als käme sie gerade von der Jagd zurück.

Die Einkaufstour nimmt den ganzen Tag in Anspruch. Wir kommen erst am Abend wieder zurück im Taubenschlag an. Der Ausdruck „kurz zum Shoppen in die Stadt“ hat hier offensichtlich eine ganz andere Bedeutung. Aber Zeit gibt es hier schliesslich in Hülle und Fülle...


Onkel Dan voll zugedröhnt

30. Oktober 2014

Der heutige und letzte Abend in der Pampa bei unserer Fiji-Familie wird der Tradition entsprechend mit einem uns mittlerweile wohl bekannten Kava-Ritual gefeiert.

Tante Fina steht seit zwei Stunden über den Töpfen am Feuer, während Onkel Dan die von uns mitgebrachte Kava-Wurzel mit Regenwasser und seinen vorher nicht gewaschenen Händen anrührt. Bei Petrollampenlicht sitzen wir auf einer Kokosblätterdecke auf dem Boden und zelebrieren den Kava-Trunk mit vollster Hingabe. Bereits nach den ersten zwei Runden „Klatsch-Bula-dreimal-Klatsch-Mada“ stimmen wir ein fijianisches Lied ein. Tante Fina ist indes seit drei Stunden wie wild am kochen, aber noch immer ohne absehbares Ende.

Nach mittlerweile der fünften Kokosnussschale Kava fährt das Wurzelgebräu seinen Hammer aus und zwingt den gestandenen Kava-Trinker in die Knie - Onkel Dan liegt zugedröhnt in der Horizontalen auf dem Fussboden. Der ansonsten liebenswerte und sehr gesprächige Opa zeigt sein Kava-Gesicht. Die dritten Zähne knirschend, wird sein Gemüt zunehmend mürrischer und sein Mundwerk schweigsamer. Fragen erwidert er nicht mehr in Sätzen sondern nur noch mit einzelnen Worten. Das zuvor freundliche Lächeln weicht einem verkrampften Gesichtsausdruck mit glasigen Augen. Offensichtlich hat unser lieber Onkel Dan wohl etwas zu tief in die Kokosnuss geschaut. Trotzdem trinkt er munter weiter. Wohl weislich haben wir bereits nach der vierten Schale mit der Sauferei aufgehört...

 

Halb benommen und der Sinne beraubt, sitzen wir nach Tante Finas vierstündigem Kochmarathon am Tisch. Gegessen wird nach alter Fijitradition mit den Händen. Zur Tradition gehört auch, dass die arme Tante Fina, die Stunden lang schwitzend über lodernder Glut gekocht hat, erst etwas zu futtern bekommt, wenn alle anderen fertig sind.

 

Ein beim Einkauf erstandener Feuerwerksvulkan zum grossen Finale und unser Schweizer Sackmesser als Abschiedsgeschenk bringen die fijianischen Gemüter zur Rührung. 



Tschüss Krötendusche

31. Oktober 2014

Nach drei Tagen und Nächten am Arsch der Welt wird es Zeit wieder in die traute Zweisamkeit mit Strom und ohne Kröten in der Dusche zurück zu kehren und Onkel Dan und Tante Fina lebe wohl zu sagen. Es war eine grossartige Erfahrung, Fijis andere Seite kennen zu lernen, Kokosnüsse selbst zu pflücken, mit der Machete zu öffnen und den frischen Kokossaft zu schlürfen. Doch war es, was die hygienischen Zustände betrifft auch eine grosse Herausforderung.

In Savusavu bleiben wir für eine Nacht, bevor die Reise bereits früh am nächsten Morgen weiter geht. Das Preisniveau für Unterkünfte befindet sich hier in astronomischer Höhe. Das günstigste Gästehaus muss daher genügen. Gemeinschafts-Toiletten sind wir uns ja gewöhnt, zumal wir bei Onkel Dan die so ziemlich heruntergekommenste Toilette unseres Lebens gesehen haben. Immerhin den vielen Kakerlaken scheint es dort zu gefallen. Doch das idyllisch klingende Hidden Paradise Guesthouse entpuppt sich als alles andere als paradiesisch. Wir bekommen das letzte noch freie, lieblose Zimmer - ohne Fenster.

Eine echte Therapielektion für einen Klaustrophobiker. In einem Schweizer Knast ist es wesentlich schöner. Mangels Lüftungsmöglichkeit herrscht Backofenklima auf den sechs Quadratmetern Wohnraum. Selbst der Ventilator auf Maximalstufe schafft keine Abhilfe. Der Logier-Tiefpunkt unserer Reise ist spätestens jetzt erreicht. Gnädigerweise wird uns nach mehrmaligem Nachfragen gewährt zum selben Preis das mit vier Doppelstockbetten vollgestopfte Mehrbettzimmer zu beziehen. Immerhin ist es da schön kühl und ausser uns beiden nächtigt niemand da. Der einzige Nachteil: Die Kopfkissen stinken ekelhaft nach ungewaschenen  Backpacker-Haaren diverser Nationalitäten. Doch auch gegen stinkende Kissen und Kopfbedeckungen sind wir zum Glück resistent geworden. Die aus den Gemeinschaftstoiletten akustisch wahrnehmbaren Blähgeräusche von anderen Reisenden lenken ab und wirken aufmunternd.


Die Insel der Faulpelze

2. November 2014

Der Wecker klingelt bereits unanständig früh. Noch immer steht der Mond am Nachthimmel. Doch noch so gerne stehen wir auf, um keine Sekunde länger auf diesen modrigen Backpackerkissen liegen zu müssen. Die Matratze war dermassen dünn, dass der Lattenrost ein Streifenmuster als Andenken ins Rückenfleisch geprägt hat. Unser heutiges Etappen-Ziel ist Taveuni, die grüne Garteninsel, wie sie auch genannt wird. Kaum eine halbe Stunde später befinden wir uns, wie kann es anders sein, wieder in einem von Altersschwäche gezeichneten Bus. Die Fahrt führt zuerst über Landweg bis zu einem Landesteg, einer wackeligen, morschen Holzkonstruktion mitten im nirgendwo. Der Begriff „Fähre“ hat uns eigentlich einen mittelgrossen Kahn erwarten lassen. Weit gefehlt. Stattdessen steht nur ein kleines Schiffchen in der Bucht, wie es wohlsituierte Schweizer am Sonntag auf dem See spazieren fahren. Mit uns warten noch ca. 60 andere Passagiere auf die Überfahrt, alles Fijianer und Inder. Letztere stehen, wie wir von dieser Volksgruppe nicht anders gewöhnt sind, mit scharrenden Hufen dicht gedrängt in der Poleposition. Erstaunlicherweise finden alle Passagiere samt Sack und Pack platz auf dem kleinen Boot.

Das Spezielle an Taveuni ist nebst der vielen Pflanzenarten und endemischen Blumen unter anderem auch die geografische Lage. Der 180. Längengrad verläuft mitten durch die Insel. In der Hoffnung immer noch ein paar Touristen ködern zu können, schmückt sich die Insel auch 21 Jahre nach Verlegung der Datumsgrenze hunderte Kilometer nach Osten immer noch mit der Möglichkeit zwischen heute und gestern hin und her springen zu können.


Nach den vergangenen, von hygienischer Entbehrung gezeichneten Tagen gönnen wir uns für die nächsten Tage eine schöne Bleibe. Ein ehemaliges 5 Sterne Hotel, welches vor einem Jahr unter miserabler Führung wiedereröffnet wurde. Unser Bungalow ist klasse, nur die Angestellten sind die unterste Schublade. Faul und inkompetent bis zum geht nicht mehr. Sogar die mit Urlaubern zu verwechselnden Mitarbeiter auf Bäh-Foot Island haben vergleichsweise wie arbeitssüchtige Servicefachkräfte geackert. Die Tante an der Rezeption ist sogar dermassen Faul, dass sie ihren Kollegen in der nur fünf Meter entfernten Küche per Handy kontaktiert. Zu unserem Leidweisen hat sie es vergeigt uns mitzuteilen, dass das Nachtessen bis nachmittags vorbestellt werden muss. Eine Dose Thunfisch und Weissbrot müssen daher für heute unseren Ansprüchen genügen. Gegessen wird aus einem mit Wachsresten übersäten Unterteller. Aber Hunger ist zum Glück der beste Koch. Unserer guten Stimmung tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil - wir amüsieren uns prächtig.



Besuch beim Onkel Doktor

3. November 2014

Am nächsten Tag hat sich der Zustand meines Fusses und meiner Gesundheit stark verschlechtert. Der seit Tagen entzündete Mückenstich hat den Fuss so stark anschwellen lassen, dass die Fortbewegung zu Fuss kaum mehr möglich ist. Hinzu kommen knapp 39 Grad Fieber. Evelyn, die gute Seele, kümmert sich in einer 24 Stunden Schicht aufopferungsvoll um den Patienten. Da auch die aus der Schweiz mitgebrachte Medizin keine Besserung herbeiführt, suchen wir das örtliche Spital auf. Die Zustände sind miserabel. Erschreckend, dass sogar unsere Reiseapotheke besser ausgerüstet ist. Steriles Arbeiten ist hier absolut unbekannt - ebenso wie Dreck auf Mikroorganismenbasis. Zum Glück überwacht Evelyn jeden der amateurhaft wirkenden Arbeitsschritte penibel und gibt Anweisungen zur Einhaltung der hygienischen Mindeststandards. Sterilium? Erschaunt schaut die Krankenschwester mit der Spritze in der Hand die hellblaue Plastikflasche an und kommentiert ihre Verwunderung mit den Worten: „Ahhhh, is alcohol?“ Evelyn putzt ihr damit eifrig die mit Dreckrändern an den Fingernägeln beschmutzen Hände. Vom Onkel Doktor, der seinen Titel vermutlich bei der Tombola gewonnen hat, gibt es ein paar chinesische Pillen und die Worte „Just relax“ mit auf den Weg. Wegen diesem blöden Mückenstich verpassen wir die ganze Insel. Wir sind lediglich damit beschäftigt, Nahrung aus einem weit entfernten Shop anzuschaffen und den Fuss zu verarzten.


Zu allem Unheil mit dem Fuss auch noch das: Beim Wäsche waschen fährt es mir durch Mark und Bein, als ich feststellen muss, dass ich meine geliebte gefälschte Armani Unterhose in der muffigen Gemeinschaftsdusche in Savusavu an einem rostigen Nagel habe hängen lassen. Ausgerechnet die blaue, schnell trocknende aus Bangkok. Wäre sie doch wenigstens auf den Yasawas zurückgeblieben, wüsste ich, dass es ihr gut geht. Doch so muss ich ernsthaft befürchten, dass sie nun von einem abgebrannten Langzeit-Backpacker getragen wird, der nur auf so einen prächtigen Fang gewartet hat. Der ideelle Verlust schmerzt ungemein.


Fliegen wie in einem Bus

6. November 2014

Entgegen unserem Vorhaben, die Rückreise von Taveuni nach Nadi auf dem Seeweg mit der öffentlichen Fähre zu bestreiten, entscheiden wir uns der Gesundheit und Sicherheit wegen für einen Rückflug. Die Tickets kaufen wir direkt beim Flugplatz, nur ca. 5 Minuten per Taxi von unserem Hotel mit den faulen Angestellten entfernt. Der Flugplatz oder eher das Flugplätzchen ist noch ein Stück kleiner, als der in Lambasa. Hier gibt es keine Abflug- bzw. Ankunftshalle, sondern lediglich einen Überdachten Wartebereich mit Holzbänken und einem 3 x 3 Meter grossen Schalter der Fiji Airways. An der Pinnwand hängt ein halb verdeckter Fresszettel mit einer Erinnerung für die Piloten: Vor Abflug Tank kontrollieren! Sehr beruhigend, das könnte bei der hier waltenden Arbeitsweise doch glatt vergessen gehen. Die Tickets können mangels Tinte im Drucker nicht gedruckt werden und die Bezahlung mit Kreditkarte ist nicht möglich, da das Lesegerät streikt. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens das Flugzeug und sein Pilot ihre Aufgabe erfüllen. Wie hat der Bula-Doktor gesagt: Just relax!

Wie nicht anders zu erwarten war, vergisst die Rezeptionskuh uns am nächsten Morgen zu wecken, obwohl sie es uns am Vorabend sogar von sich aus angeboten hat. Glücklicherweise ist Verlass auf die innere Uhr. In Windeseile packen wir unsere Sachen zusammen und stürzen Hals über Kopf zum Flugplatz. Dank Fiji-Time Flugzeiten kommen wir nicht zu spät. Das Checkin-Prozedere ist ebenfalls durch und durch Fiji-Like. Beim Einchecken müssen wir mitsamt Gepäck auf die Waage. Tickets oder Pässe vorweisen müssen wir nicht. Der Mann am Schalter mag sich auch so noch daran erinnern, dass wir gestern den Fug gebucht haben. Auch von einem Sicherheits-Check fehlt jede Spur. Das ganze erinnert mehr an eine lustige Busfahrt ins Grüne anstatt an eine Flugreise, wenn man sich die Sicherheits-Vorschriften bei einem Internationalen Flug in Erinnerung ruft.

Mangels Stewardess an Bord übernimmt der Pilot die dürftige Sicherheits-Instruktion. Nur noch anschnallen und dann geht es auch schon los. In so einer kleinen Maschine hat man so richtig das Gefühl zu fliegen. Die Aussicht ist grandios, das Farbenspiel einfach umwerfend. Unter uns zeigt sich die Südsee in ihrer vollen Pracht.




Fiji – das Fazit

10. November 2014

Fiji zu bereisen war eine einmalige Erfahrung. Wir haben viel Wunderschönes gesehen und Spannendes erlebt. In besonderer Erinnerung bleiben vor allem die spektakuläre Landschaft und die Erlebnisse mit unserer Fiji Familie in Vanua Levu. Ebenfalls äusserst positiv waren die menschlichen Begegnungen. Die Menschen in Fiji sind durchwegs gastfreundlich, aufgeschlossen und tragen stets einen dicken Bula-Smile im Gesicht. Was einem nach knapp vier Wochen langsam auf den Zeiger geht, ist das fast schon lethargische, antriebslose in den Tag hinein leben, wie es viele Fijianer tun. Es fehlt an vielen Ecken und Enden an Engagement und Ideenreichtum etwas zu Bewegen. Als der liebe Gott die Fijianer mit Fleiss bestückte, hatte er wohl nicht gerade seinen besten Tag. Doch als kleine Wiedergutmachung hat er dafür die Inder ins Land gesandt. Diese bilden die Stützen der Gesellschaft, sind ebenfalls sehr freundlich und hilfsbereit, lassen aber keine Gelegenheit ungenutzt einem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Beide Bevölkerungsgruppen bilden aber eine hervorragende Symbiose und eine funktionierende Gesellschaft. Anhand einer Polizeipatroullie, bestehend aus einem Fijianer und einem Inder, lässt sich dies gut veranschaulichen: Während der Inder darauf achtet, dass der Fijianer arbeitet und nicht schläft, passt der Fijianer darauf auf, dass der Inder keine korrupten Dinge dreht.


Kurzum: Fiji war super und wir können unseren lang gehegten Traum endlich abhaken. Doch die Freude über die Weiterreise ist grösser als die Trauer, Fiji hinter uns lassen zu müssen. Vor uns liegt eine fünfwöchige Rundreise mit einem Camper durch Neuseeland. Das kann ja heiter werden...