Urlaub im Urlaub auf Bali

5. September 2014

Bereits nach drei Stunden Flug mit einer asiatischen Billigfluglinie und erfolgreicher Äquatorüberquerung landen wir heil in Bali – und das ganz ohne Jetlag! Hier gönnen wir uns eine Woche Urlaub, wie es sich gehört. Nach der unvermeidlichen und mittlerweile routinierten Taxi Abwimmler- und Feilscherei am Flughafen sind wir nach 20 Minuten in Sanur bei unserer Unterkunft.

 

Voller Ehrfurcht stehen wir nun also vor ihm, dem erfolgreichen Mann aus dem Internet, der es bei Tripadvisor fast auf Platz eins der Guesthouses von ganz Bali geschafft und eine Weiterempfehlungsrate von 100% hat – denken wir zumindest. Verwundert über das im Vergleich zu den Internetbildern eher spartanische Interieur und die nur oberflächliche Sauberkeit, studieren wir nochmals unsere Buchung. 

Erst jetzt fällt uns das kleine aber feine Detail auf: Eigentlich wollten wir ins Wayan Guesthouse, sind aber stattdessen im Wayan Homestay gelandet. Wayan ist hier, was bei uns ein Patrick oder Andreas ist. Die gibt es wie feinkörnigen Sand am Meer und daher gibt es auch zahlreiche Hotels, Guesthouses, Restaurants und Kneipen die Wayan heissen. Zu unserer Rechtfertigung müssen wir sagen, dass auf Tripadvisor der Super-Wayan mit dem noch gar nicht bewerteten Wayan auf booking.com verlinkt ist, wo wir gebucht haben. Aber alles halb so schlimm - unser Wayan macht auf jeden Fall einen dufte Eindruck.

 

Da wir uns jetzt auf der südlichen Halbkugel befinden, sitzen wir quasi im späten Winter. Aber das Klima hier ist top, zumindest was mein Empfinden angeht. Endlich mal nicht schwitzen beim Nichtstun. Evelyn ist bei den milden 24 Grad Nachttemperatur bereits zum Frösteln zu Mute. Nachdem uns die Google-Wettervorhersage nun während drei Wochen in Vietnam mit den schlimmsten Gewitter und Regenfällen-Vorhersagen dreist angelogen hat, das Wetter bis auf kurze Ausnahmen aber immer spitze war, entspricht der Bericht hier tatsächlich der Wahrheit: Es ist wolkenlos bei 30 Grad im Schatten und nachts scheint der Mond in voller Pracht. 


Grüss Gott Herr Fabian

6. September 2014

Seit Wochen und Monaten bereiten wir uns mental auf dieses einmalige Ereignis vor. Lange haben wir geplant und uns gemeinsam darauf gefreut. Es ist so, als wäre Weihnachten und Ostern zusammen. Seit Tagen zählen wir die noch zu schlafenden Nächte.

Und nun ist es endlich so weit: Herr Onkel Fabian kommt für drei Wochen zu Besuch nach Indonesien. Schon nur, wenn wir an seinen Namen denken, zwickt es uns in der Leber. Nur noch einmal schlafen, dann trifft der Ehrengast mit Südtiroler Akzent aus heimischen Gefilden ein. Die letzten Vorbereitungen für den freudigen Empfang laufen immer noch auf Hochtouren. Der imaginäre rote Teppich ist bereits ausgerollt, das Empfangskomitee frisch frisiert und in prächtiger Badehosen-Tracht gekleidet.

                                     

Herr Fabian ist mehr als nur ein Cousin und sehr guter Freund. Er ist unser Coach, der uns über Monate hinweg mental auf diese grosse Reise vorbereitet und uns in selbstloser Art und Weise beim Umzug unterstützt hat.


Leben wie Gott in Frankreich

7. September 2014

Zur Feier des grossen Wiedersehens gönnen wir uns für die erste gemeinsame Woche auf Bali eine traditionelle Bambus Villa mit Privatpool, der von schönen Palmen gesäumt ist. Bis zur Ankunft von Herrn Fabian inspizieren wir bereits die noble Residenz und zählen die letzten Minuten bis zur Ankunft. Dann heisst es endlich: „Grüss Gott Herr Fabian, seids herzlich willkommen auf dem schönen Eiland.“

 

Trotz 20-stündiger Reise und vom Jetlag gezeichnet, kredenzen wir als erstes einen Begrüssungstrunk. Der promovierte Party-König greift fest entschlossen zum Bier. Jetzt wird erst mal angestossen. Entgegen unseren Erwartungen ist Fabian fit wie ein Turnschuh und hoch motiviert noch einen drauf zu machen. Schlafen kann man auch später noch. Hoch die Tassen – lautet das Motto! Das kann ja heiter werden.

Nach der überschwänglichen Begrüssungsphase und einer ersten kulinarischen Expedition machen wir als nächstes die Poolregion auf unserem Anwesen unsicher. Flux in die Badehosen reingesprungen und schon gibt es das erste Synchronschwimmen um zwei Uhr morgens. Auch Bintang, das Nationalbier, ist selbstverständlich mit von der Partie. So lässt es sich leben und feiern.

 

Die Sonne steht schon fast am Horizont, als wir uns der Vernunft halber entscheiden, die Schlafgemächer aufzusuchen und den wohlverdienten Schlaf anzutreten. Doch weit gefehlt - an Schlaf ist noch nicht zu denken. Das leise Zirpen der Grillen wird von der einen auf die andere Sekunde von lautem Hundegebell unterbrochen. Das auf den Nachbargrundstücken einquartierte Rudel kläfft mit enormer Ausdauer lautstark um die Wette. Da für die meisten Häuser in Asien Schallisolation ein Fremdwort ist, schläft man, was die Akustik betrifft, gefühlt unter freiem Himmel. So sind wir gezwungen abzuwarten, bis der Kläff-Sieger für dieses Morgengrauen ausgemacht ist. Und das hat gut eine Stunde gedauert. Aber damit noch nicht genug: Pünktlich auf das Ausklingen des letzten Hundegebells kräht auf einmal ein Hahn munter drauf los. Ferien wie auf dem Bauernhof.



Die Geschichte vom verlorenen Phone

9. September 2014

Der Tag beginnt wunderbar. Wie immer genehmigen wir uns zuerst ein paar waghalsige Arschbomben und einen kurzen Freistilschwumm in unserem Pool – nichts ahnend, was unser Ausflug heute mit sich bringen wird. Nachdem wir die ersten beiden von Altersschwäche gezeichneten Roller gegen zwei schnittige 125ger Suzukis eingetauscht haben, ist heute wieder Staub fressen auf den verstopften Strassen von Bali angesagt. Der Wechsel auf 125cm2 kommt dem Aufstieg in die Semiprofessionelle Liga gleich. Die Dinger laufen noch einen guten zacken besser! So macht es richtig Spass.    

Unser heutiges Ausflugsziel sind die Reisterrassen bei Ubud ca. 60 Kilometer von unserem Domizil entfernt. Für Europäische Verhältnisse ist diese Distanz lediglich ein Katzensprung. Doch bei dem hier herrschenden Verkehr und den engen Strassen benötigt man für diese Strecke gut und gerne zwei bis drei Stunden. Nach besagter Zeit und fortgeschrittener Hornhautbildung am Sitzfleisch kommen wir mit total verstaubten Nasenhöhlen am Bestimmungsort an. Es ist eine phantastische Aussicht auf saftig grün spriessende Reispflanzen, die sich uns bietet.

 

Da es in Asien zum guten Ton gehört, jederzeit mobil erreichbar zu sein und andauernd auf dem Mobiltelefon herum zu spielen, haben auch wir uns eine SIM-Karte eines lokalen Telefonanbieters angeschafft. Die Menschen mögen noch so arm sein, aber ein Smartphone ist ein absolutes Muss. Wir mit unsrem Retro-Auslaufmodell ohne Touch-Screen können da leider nicht ganz mithalten.    

Doch leider nimmt der ach so schöne Ausflug sein vorzeitiges Ende. Fabian vermisst plötzlich sein (geliehenes) iPhone. Nicht auszumalen, welche Schmach ihn dafür zuhause erwarten wird. Schnell formiert sich die zuvor noch lustige Truppe in einen ein Suchtrupp um. Die vermutete Stelle des Verlustes wird akribisch durchgekämmt. Verbitterte Anrufe erwidert das vermisste Gerät lediglich mit einem monotonen Summton.. Immerhin ein Anzeichen dafür, dass es noch in Betrieb ist und nicht von einem Auto überfahren wurde. Aber wo steckt es denn bloss? Es scheint wie vom Erdboden verschluckt. Unverrichteter Dinge geben wir uns nach zweistündiger, erfolgloser Suchaktion schliesslich geschlagen und machen uns auf den langen Rückweg. Zuhause angekommen startet Evelyn einen letzten Anrufversuch auf das vermisste iPhone.

Und siehe da, am anderen Ende meldet sich völlig unerwartet eine Indonesisch sprechende männliche Stimme. Gibt es etwa doch noch einen Hoffnungsschimmer? 

Da der Mann am Ende der Leitung praktisch kein Englisch spricht und man sich am Telefon seiner Hände und Füsse zur kommunikativen Unterstützung leider nicht behelfen kann, legen wir auf und suchen auf der nahegelegenen Strasse nach jemandem, der sowohl der Indonesischen als auch Englischen Sprache mächtig ist. Wir haben Glück – bereits auf die erste Person trifft diese Eigenschaft zu. Doch leider meldet sich am anderen Ende jetzt nur noch die Mailbox. Niedergeschlagen gehen wir zu Bett. 

 

Bei einem erneuten Versuch am nächsten Morgen geht der Indonesische Herr dann aber doch noch ans Telefon. Die Besitzerin unseres Stammlokals direkt um die Ecke fungiert als Übersetzerin. Wir haben schon nicht mehr daran geglaubt, aber jetzt haben wir den Namen, die Telefonnummer und die Adresse des ehrlichen Finders in krakeliger Schrift auf einem Fetzen Papier stehen. Der ehrenwerte Herr Pak Nenangh ist bereit uns zu treffen und das iPhone zurückzugeben. Die Ehrlichkeit, die uns entgegnet, ist schlichtweg überwältigend. Da die Menschen hier nach einem unbefleckten Karma streben, würden hierzulande wohl die meisten Menschen gleich reagieren, wird uns gesagt. In der Schweiz wissen viele nicht einmal was ein Karma überhaupt ist.

Kaum eine Stunde später befinden wir uns bereits wieder auf verstopften Strassen in Richtung der Provinz Ubud. Doch dieses Mal mit Atemschutzmasken, wie sie hier von vielen Einheimischen zur Erhöhung der Lebenserwartung getragen werden. In Ubud angekommen, gestaltet sich die Suche nach der genauen Adresse alles andere als einfach. Die besagte Strasse mit dem Namen Terralegalan zieht sich durch mehrere Ortschaften durch. Da in ländlichen Gebieten die Häuser nicht nummeriert sind, hilft uns die Hausnummer leider nicht weiter. Wie in einer dramatisch inszenierten Vermisst-Sendung fragen wir uns durch das halbe Dorf. Es werden mehrere Telefonate getätigt, bis das richtige Haus des Finders ermittelt werden kann. Und dann, auf dem Höhepunkt der Dramaturgie ist es endliche so weit: Herr Nenangh und das iPhone stehen direkt vor Fabians Nase.

 

Und dann hält er es endlich in der Hand. Beide sind wieder vereint. Seine Finger umarmen es innig und sowohl Fabian als auch das iPhone sind sichtlich sehr gerührt von der Zusammenführung. Das wir das noch erleben dürfen, hätten wir gestern nicht mehr für möglich gehalten. Es ist wie in einem Märchen – das Wunder von Bali.


Reiseplanung à la Last-Minute

12. September 2014

Nach unzähligen Tempelbesuchen, schier endlosen Reisfeldern und zig Stunden im motorisierten Sattel sind wir gespannt, was uns das ursprüngliche Indonesien so bieten kann. Unsere schöne Pool Villa haben wir nach sechs Tagen wieder abgeben müssen. Was bleibt, sind die schönen Erinnerungen und Schwimmhäute zwischen den Fingern. Da wir den Weiterflug nach Flores wegen schlechter Internetverbindung noch nicht buchen konnten, gönnen wir uns als Kontrastprogramm eine Nacht in einer billigen Absteige in der Nähe des Flughafens.

Ausgerechnet an ihrem Geburtstag ist Evelyn alles andere als zu Feiern zu Mute. Sie hat Fieber und fühlt sich überhaupt nicht wohl. Ein Anzeichen auf eine allergische Reaktion auf die Malaria Prophylaxe. Die Unverträglichkeit bedeutet, dass das Medikament unverzüglich abgesetzt werden muss. Doch ohne Prophylaxe in ein Gebiet mit sehr hohem Malariarisiko zu reisen, wäre absolut fahrlässig. Jetzt muss schleunigst eine Alternative her. Zum Glück konnten wir den Flug nach Flores nicht buchen. Fabian und ich grübeln derweilen über diverse Malaria-Risikogebietskarten. Wir suchen nach einem Ort in Indonesien, bei dem das Risiko sich der parasitären Seuche auszuliefern, vertretbar ist und wo wir das typische Indonesien abseits vom Massentourismus entdecken können. Süd-Sulawesi erweist sich in dieser Hinsicht als Top-Kandidat. Auch was die Attraktivität der Landschaft und Strände anbelangt, kann Sulawesi der ursprünglich vorgesehenen Insel Flores vermutlich den Rang streitig machen. Einstimmig ist das Ersatz-Ziel auserkoren! Leider muss Evelyn ihren Geburtstag mit Blevitakeksen im Bett verbringen.    


Zwei mal Holzverschlag bitte

14. September 2014

Den Flug auf die Insel Sulawesi buchen wir noch am gleichen Morgen des Abflugtages. Ein paar Stunden später befinden wir uns bereits in einer Ein-Sterne Absteige ohne Fenster im Zentrum von Makassar. In Punkto Aufmachung erinnert das Hotel an längst vergangene Zeiten. Hier hängt der Geruch des Kommunismus noch tief im Mobiliar. Für eine Nacht ist es aber vollkommen ausreichend.

Nach einem spärlichen Frühstück am nächsten Tag - mit Morgentau beschlagenen Toastscheiben, ranziger Butter und einem undefinierbaren Milchreis mit Hühnchen für Fabian, sind wir bereits wieder unterwegs. Diesmal mit einem wortkargen Privatfahrer und zugleich patriarchischen Herrscher über die elektrischen Fensterheber. Kap Bira liegt ca. 6 Fahrstunden entfernt. Wir amüsieren uns dennoch prächtig.

Nachdem wir in Bali fürstlich residiert haben, stehen die nächsten Tage ganz im Zeichen von Schmal-Hans, dem Logiermeister. Wir entscheiden uns für ein Backpacker Guesthouse mit einfachen Holzverschlägen, primitivem Mobiliar und Gemeinschafts-Toilette. Hier ist noch echte Handarbeit gefragt. Geduscht bzw. sich gewaschen wird manuell mit Eimer und Kübel, mit dem man zudem auch die Toilettenschüssel spült. Diese wiederum dient beim Zähneputzen zugleich auch als Waschbecken. Das grosse Plus bei dieser Unterkunft – man könnte auch sagen Zelt aus Holz - ist die etwa gleichalterige Gastmutter mit ihrer schmackhaften Küche. Für die nächsten Tage werde ich mir wohl keine Ergänzungsnahrung in Form von Minipics zuführen müssen. Ebenfalls im Guesthouse einquartiert, ist ein Pärchen jenseits des Röstigrabens: Barbara und Matthias, zwei sehr fidele Landesgenossen mit frankophonem Englisch. Obwohl wir alle fünf aus der Schweiz stammen, unterhalten wir uns auf Englisch. Ein trauriges Schicksal wird uns in den nächsten Tagen eng verbinden.

Kap Bira ist ein wunderbar verschlafenes Nest mit einem traumhaften weissen Sandstrand, türkis farbigem Meer und vielen Palmen. Touristen gibt es hier nur eine Hand voll, Ziegen und Hühner laufen frei auf der Strasse herum und die lokale Bevölkerung ist umwerfend freundlich. Ein wahres Paradies, in dem wir gelandet sind.




Albtraum im Paradies

15. September 2014

Zur Mittagszeit an diesem wolkenlosen Tag liegen wir glückselig am paradiesischen Strand aus Sand so weiss und fein wie Mehl und dösen gemütlich vor uns hin. Wir sind nahezu die einzigen Menschen am mehrere Hundertmeter langen, flach abfallenden Strandabschnitt. Doch wird die paradiesische Idylle jäh unterbrochen.

 

Wir beobachten, wie zwei Touristinnen knapp 100 Meter neben uns ins knietiefe Wasser rennen. Zunächst denken wir noch an nichts Böses - doch beginnt sich in diesem Moment eine unvorstellbare Tragödie abzuspielen. Auf einmal ertönt ein lauter Schrei, der uns durch Mark und Knochen fährt. Die eine Touristin hebt einen leblosen Körper aus dem Wasser und schreit panisch um Hilfe. Auf ihren Händen trägt sie einen toten einheimischen Jungen, der zuvor noch im Wasser gespielt hat. Der Anblick dieser Szene ist ein riesen Schock. Fabian springt sofort auf und rennt los. Evelyn und ich sind wie gelähmt von dieser Situation und begreifen erst gar nicht, was hier vor sich geht. Auch wir eilen herbei und ebenso die beiden Schweizer Matthias und Barbara aus unserem Guesthouse sowie ein paar Einheimische und weitere Touristen.

 

Zunächst sieht alles nach einem tragischen Unfall aus, doch das ist erst der Anfang der Tragödie. Als wäre das noch nicht genug, passiert etwas, wie es sich sonst nur in einem schlechten Film abspielt. Die Situation wird richtig absurd. Doch alles geschieht live und ohne Drehbuch.

 

Während Fabian und mittlerweile ein paar weitere Helfer noch immer versuchen den Jungen wieder zu beleben, ruft plötzlich Matthias nach uns. Er kommt die Treppen herunter, welche zu direkt anliegenden Bungalow-Hütten führen. Neben ihm steht ein bärtiger Mann anfangs zwanzig mit klaffender Wunde auf der Stirne, blutverschmiertem Gesicht und Händen.

Zunächst sieht es so aus, als wäre dieser Mann schwer mit einem Roller verunfallt. Mit weit aufgerissenen Augen und hechelndem Atem steht er direkt vor uns. Fabian ist sofort wieder zur Stelle und beginnt ihn gemeinsam mit Matthias zu verarzten, während sich andere immer noch um den Jungen kümmern. Der Verletzte gibt keine Auskunft darüber, was mit ihm geschehen ist.

 

Die beiden Touristinnen, welche den Jungen gefunden haben, sitzen kreidebleich im Sand und erzählen verängstigt, dass sie den verletzten Mann noch vor einer viertel Stunde mit dem Jungen im Wasser haben spielen sehen. Er sei dann aus dem Meer gekommen und in seinem Bungalow verschwunden. Da sie rücklings zum Meer gelegen haben, sahen sie den Jungen in diesem Moment noch nicht.

 

Während wir diese Schilderung hören, erlebt Fabian unfassbares. Der verletzte Typ ringt schwer nach Luft und würgt auf einmal eine ganze 150 ml Roll-on Deo-Flasche aus seinem Rachen heraus. Anatomisch gesehen, scheint dies überhaupt nicht möglich, aber irgendwie musste er das Deo samt Glasflasche zuvor verschluckt haben. Alles deutet darauf hin, dass er sich das Leben nehmen wollte. Anscheinend hat er zuerst versucht sich den Kopf an einer Wand einzuschlagen und anschliessend sich selbst zu ersticken.

 

Wo wir uns vor ein paar Minuten noch im Paradies wähnten, befinden wir uns jetzt mitten in einem Albtraum. Alles wirkt so irreal, doch das ist es leider nicht.

Der aus Frankreich stammende Psychopath flüstert Matthias zu, er glaube den Jungen getötet zu haben. Als uns Matthias dies erzählt, sind wir alle unfassbar geschockt. Kaum zu glauben, dass direkt neben uns ein Mord verübt wurde, während wir vor uns hin geschlummert haben. Und alles hat sich am helllichten Tag zugetragen, an einem Ort an dem man eine solche Tragödie niemals vermuten würde.

 

Erst nach rund anderthalb Stunden treffen der Sanitätswagen und die Polizei ein. Dem Jungen kann leider nicht mehr geholfen werden. Die Familienangehörigen des Jungen, welche ebenfalls erst vor einigen Minuten eingetroffen sind, brechen zusammen. Es ist unglaublich schmerzhaft, dies mitzuerleben.

 

Die Obduktion des Jungen hat ergeben, dass er missbraucht und im Wasser erwürgt wurde, wie uns Familienangehörige am nächsten Tag mitteilen. Die grosse Trauer mischt sich mit Wut und Hass. Der Mörder sitzt in der psychiatrischen Anstalt und wartet auf seinen Prozess.

 

Ruhe in Frieden kleiner Evan.

 

(Die Geschichte ist leider noch nicht zu Ende. Tage später erfahren wir, dass der Mörder in der Anstalt einen anderen Patienten grundlos und kaltblütig erwürgt hat. Nun sitzt er im Gefängnis, wo er auch dringend hingehört...)