Für einen Tag zum Vegetarier

25. September 2014

In einem kleinen Dorf auf einer Anhöhe oberhalb von Rantepao findet heute eine Zeremonie für einen vor zwei Jahren verstorbenen Mann statt. Die Familie hat in dieser Zeit genügend Geld zusammensparen können, um dem Verblichenen die entsprechende Würdigung zu ermöglichen. Bei unserer Ankunft um neun Uhr morgens ist die Feier bereits in vollem Gange. Es ist der erste von insgesamt drei angesetzten Tagen an denen verschiedene Darbietungen geboten werden. Der erste Tag gilt hauptsächlich der Begrüssung und Ehrung der vielen und von weit her angereisten Gästen. Das Zentrum der Zeremonie bildet der Schau- bzw. Schlachtplatz. Um diesen herum sind verzierte Holztribünen angeordnet, die einen ausgezeichneten Blick auf das Spektakel garantieren.    

Auf der Ladefläche von Lastwagen angeliefert, treffen nach um nach die geladenen Gäste aus allen Teilen Torajas ein, die in irgendeiner Verbindung zum Verstorbenen gestanden haben. Insgesamt sind es über eintausend Personen, die an die Zeremonie geladen sind. Mit jedem Mal, wenn der grosse Gong geschlagen wird, treten jeweils die Bewohner eines ganzen Dorfes in einer Zweierreihe quer über den Schauplatz, begleitet von altertümlichen Gesängen. Im Schlepptau mit dabei sind die Opfergaben in Form von Büffeln und Schweinen. Letztere werden an den Füssen zusammen gebunden und an Bambusstangen festgeschnürt auf den Schultern der Dorfbewohner hinein getragen – ohne zu wissen, was ihnen gleich blühen wird. Via Lautsprecher wird lauthals verkündet, welche Opfergaben die Gäste mitgebracht haben.


Auf dem kreisrunden Schlachtplatz liegen bereits einige, feinsäuberlich zerhackte Opfergaben. Abgetrennte Köpfe, Beine und Innereien von Büffeln und Schweinen liegen auf blankem Boden, der bereits mit mehreren Litern Blut getränkt und tiefrot gefärbt ist. Wie erleben gerade mit, wie ein Büffel geschlachtet und direkt danach gehäutet und zerlegt wird.



Hinter den Kulissen in einer angrenzenden Waldlichtung werden Schweine geschlachtet und ausgeweidet. Die Innereien werden mit Blut vermengt und in Bambusstangen gefüllt über dem Feuer gegart. Es ist heiss und schwül, die Luft geschwängert von einem säuerlichen Geruch. Das Hungergefühl ist spätestens jetzt wie weggeblasen. Das blutrünstige Gemetzel hat in der Region Torajas eine Jahrhunderte alte Tradition. Büffel werden geopfert, damit sie mit ihren Hörnern dem Verstorbenen die Türen zum Jenseits öffnen können. Das Fleisch der geopferten Tiere wird gemäss Rangordnung der Gäste verteilt und verspeist.

Wir haben Glück und werden auf die Ehrenloge geladen, wo die engsten Familienangehörigen des Verstorbenen Platz genommen haben. Es wird Tee, Kaffee und Süssgebäck gereicht. Frisches Büffel-fleisch lehnen wir nach dem Gesehenen dankend ab. Der Sohn der Familie empfängt uns höchst persönlich mit einem Händedruck. Die Freude über unser Geschenk – eine Zehner-Packung Nikki Zigaretten – ist riesig. Dass er mit seinen Händen zuvor abge-hackte Körperteile und Innereien auf dem Opfer-platz sortiert hat, ohne sich danach die Hände gründlich abzuwischen, stellen wir erst im Nachhinein fest.

Westliche Menschen gelten bei solchen Zeremonien als gern gesehene Gäste, da ihre Anwesenheit anscheinend Glück bringen soll. Unsere Rolle bei diesem Fest ist somit klar – wir fungieren als Glücksbringer. Wohl aber leider nicht für die armen Tiere.


Massenschlägerei an einer Beerdigung

26. September 2014

Nach einer mehrtägigen Zeremonie und haufenweise Tieropfern werden die Verstorbenen am Ende der Feierlichkeiten zu Grabe getragen. Auf dem Rückweg von einem Ausflug stossen wir zufällig auf einen Beerdigungsumzug. Es bietet sich die perfekte Gelegenheit, um auch noch das letzte Puzzleteil im Rahmen des sonderbaren Totenkults mitzuerleben. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Kurzerhand lassen wir unser Motorbike am Strassenrand stehen und folgen der Trauergemeinde, wobei von Trauer nicht im Geringsten die Rede sein kann.

Der Umzug ist vielmehr ein lautes Getöse und wird von lachenden Gesichtern und lautem Gegröle begleitet. Der Sarg des Verstorbenen wird auf einer aus Bambusrohren gefertigten Sänfte durch die Strassen getragen. Dabei geht es ordentlich zur Sache. Etliche Leute scharen sich um die Sänfte und ziehen diese wild hin und her. Es sieht so aus als gäbe es zwei Parteien, die versuchen, die Sänfte jeweils auf ihre Seite zu ziehen. Das Schauspiel gleicht also eher einem Tauziehen als einem gemächlichen Trauermarsch. Dabei fällt die Sänfte samt Sarg und Inhalt auch öfters mal zu Boden, was bei diesem Ritual anscheinend dazugehören muss. Zwischendurch rennen alle Sänftenträger gemeinsam in die gleiche Richtung. Was das auslösende Signal dafür gibt, haben wir leider nicht mitbekommen. Man ist auf jeden Fall gut beraten in Deckung zu gehen, wenn sich diese Menschenlawine ohne Rücksicht auf Verluste durch die Strassen wälzt.

Auf einer Wiese angekommen, wird die Sänfte unsanft zu Boden gestellt und die beiden Sänftenträger-Parteien gehen munter mit Fäusten und Fusstritten aufeinander los, wie in der dritten Halbzeit nach einem Fussballspiel. Ein richtiges Spektakel Sobald alle Beteiligten ausreichend Backpfeifen, Tritte in die Magengegend und Fäuste aufs Auge abbekommen haben, wird die Sänfte wieder in Bewegung gebracht. Nun zieht der Schlägertrupp zur endgültigen Ruhestätte des Verstorbenen, wo der Sarg in einer Gruft deponiert wird und der Verblichene dann auch endlich in Frieden ruhen kann - bleibt zumindest zu hoffen...


Holzklasse one way - und nie wieder...

28. September 2014

Leider sind die drei turbulenten und von Höhen und Tiefen gezeichneten Wochen mit Onkel Fabian schon wieder vorbei. Zu guter Letzt und zum gemeinsamen Abschluss unserer dreiwöchigen Reise steht uns noch eine neun-stündige Nachtfahrt mit einem luxuriösen Sleeper-Bus von Rantepao zurück nach Makassar bevor. Die durch die Klimaanlage im Bus hervorgerufene winterliche Atmosphäre weckt bei mir den unbändigen Appetit auf Käse-Fondue. Immerhin habe ich dadurch eine gute Traumvorlage für die lange Busfahrt, von der wir des Schlafes wegen nicht viel mitkriegen.

Während wir noch im Land der Träume schlummern und ich gerade das in geschmolzenen Käse getauchte Stückchen Brot in den Mund schieben will, werden wir bei Ankunft am Flughafen um fünf Uhr morgens aus dem Tiefschlaf gerissen. Noch völlig schlaftrunken stürzen wir Hals über Kopf aus dem Bus. So tief gepennt habe zumindest ich seit Wochen nicht mehr. Hätte die Busfahrt doch bloss noch zwei Stunden länger gedauert...

Der anschliessende Rückflug nach Bali mit einer Indonesischen Billig-Airline reiht sich in die Top Fünf der schlechtesten Flüge unserer bisherigen Reisen ein. Beim Check-In läuft noch alles wie geschmiert. Die insgesamt zwölf Kilogramm Übergewicht verlieren dank einer ausgeklügelten Fuss-Hebetechnik, wie durch ein Wunder, um zehn Kilogramm an Masse. Erlaubt wären nur fünfzehn pro Person. Zum Glück ist der Schwindel nicht aufgeflogen. (An dieser Stelle muss noch erwähnt werden, dass das Übergebäck hauptsächlich auf meine Kappe geht).


Die Flugmisere geht aber erst jetzt los. Alles beginnt damit, dass wir willkürliche Plätze zugewiesen bekommen und getrennt voneinander sitzen müssen. Soweit ist das noch nicht besonders dramatisch. Das negative Flugerlebnis wird dann massgeblich durch unsere Sitznachbarn geprägt. Evelyns Nachbar riecht dermassen streng nach altem Fisch, dass ihr speiübel wird. Meiner ist ein gutes Stück grösser und vor allem breiter als ich und macht mir einen grossen Teil des sowieso schon nicht vorhanden Platzes streitig. Beinfreiheit ist in diesem Billigflieger absolut keine vorhanden. Evelyn passt geradeso in die knapp bemessene Lücke. Fabian und ich müssen in Kauerstellung die Beine anwinkeln, damit wir überhaupt in den Sitz passen. So enge Sitzreihen haben wir bis heute noch in keiner Holzklasse erleben müssen. Hinzu kommt, dass die Klimaanlage nicht richtig funktioniert. Das Raumklima ist daher tropisch heiss – Rücken und Hintern kleben am billigen Lederimitat fest. Evelyn versucht sich mit Lesen den Gestank vom Leibe zu halten. Fabian vegetiert vor sich hin und ich verbringe die meiste Zeit des Fluges stehend und vertreibe mir die lange Weile mit der Zuweisung der freien Bord-Toiletten.

 

Nach der ersehnten Landung ist die Zeit gekommen, Onkel Fabian zu verabschieden. „Tschüss, bis im nächsten Jahr und schon mal schöne Weihnachten vorweg!“ Bis zu seinem Abflug gönnt er sich nach langer Abstinenz noch einen vierstündigen Massagemarathon. Evelyn und ich sitzen bereits wieder in einem Beförderungsmittel in Richtung Lovina. Wir freuen uns auf eine zweite Woche in Bali mit Freundin Nina, die für nur eine Woche den weiten Weg auf sich nimmt, um uns zu besuchen.



Das Comeback in Bali

29. September 2014

Nachdem in der ersten Woche in Bali nicht so viel Urlaub vom Urlaub drin gelegen hat, wie erwartet, ist nun definitiv eine Auszeit fällig. Faulenzen bis sich die Balken biegen. Auch der Fotoapparat hat sich nach dem endlosen Geknipse von mittlerweile rund 5500 Fotos dringend mal eine Pause verdient – nicht, dass er noch vor uns die Schnauze voll hat und nach Hause will. Darum gehen wir die zweite Woche in Bali, auch krankheitsbedingt, einfach mal ruhig an. Wir gönnen uns sozusagen ein langes Wochenende von 6 Wochen pausenlosem Erlebnis-  und Actionurlaub. Es ist an der Zeit, die vielen Eindrücke und Erlebnisse sacken und zu Erfahrungen verarbeiten zu lassen.

Weil uns das Poolvergnügen und insbesondere das Biertrinken und Gequalme im Pool in der ersten Bali-Woche dermassen zugesagt hat, gönnen wir uns auch im ruhigeren Norden Balis erneut eine Villa mit Schwimmgelegenheit. Das Anwesen liegt etwas ausserhalb des überschaubaren Trubels von Lovina, umgeben von einem Palmen und Bananenwald. Besonders toll ist das offene Badezimmer mit Blick auf den freien Himmel. Auf dem Klo sitzen und gleichzeitig braun werden – einfach Fabelhaft! Bei einem länger dauernden Geschäft empfiehlt es sich aber, sich vorher gut einzucremen, damit man keinen Sonnenbrand einfängt.



Brot und Spiele

04. Oktober 2014

Am Abend geht in einer Openair-Bar in Lovina ordentlich die Post ab. Eine extra eingeflogene Sängerin aus Jakarta trällert, was das Mikro hergibt. Trotz vieler schiefer Töne ist das Publikum ganz von den Socken und die Bar zum Bersten voll. Wir machen es uns auf der Strasse gegenüber auf einer Treppe mit Dosenbier aus dem Supermarkt gemütlich. Neben uns ist bereits eine Horde postpubertärer Jungs am vorglühen - mit inseltypischem Arrak Schnaps aus PET Flaschen. Schnell kommen wir ins Gespräch und zum Anstossen. Einer der Truppe, namens Kamon, erzählt uns stolz von seinem Kampf-Hahn Brumun. Drei Kämpfe habe er bis jetzt schon gewonnen. Auf Nachfrage, wie viele er verloren hat, gibt er lachend zur Antwort: „Natürlich keinen!“ Denn bei einem Hahnenkampf bezahlt der Verlierer mit seinem Leben. Morgen findet ein sogenannter Cock-Fight statt. Wir sollen doch mitkommen und uns das Spektakel live ansehen.

Pünktlich um vier Uhr am folgenden Nachmittag treffen wir uns mit Koman vor einem kleinen Supermarkt. Nach einem kurzen Abstecher zu ihm nach Hause, zwecks Abholung von Brumun, befinden wir uns zur Abenddämmerung mitten in der tosenden Menge. Der Kampf findet in einem heruntergekommenen kleinen Stadion statt. In der Mitte befindet sich der von einem Metall-Gehege umzäunten Ring, ähnlich wie bei einem Boxring. Das Publikum auf den Rängen tobt, die Stimmung ist geladen. Wir fühlen uns wie ins alte Rom zurückversetzt. Nach dem ausloten der passenden Gegner werden auch schon Geldscheine wild fuchtelnd empor gestreckt und die ersten Wetten abgeschlossen. Brot und Spiele für das Volk!

Um den Kampf noch brutaler zu machen, werden den Kontrahenten messerscharfe Sporne an den Beinen befestigt, mit denen sie sich gegenseitig attackieren und lebensgefährlich verletzen. Die Kämpfe dauern in der Regel nur einige Sekunden. Der Kampf ist aber erst vorbei, wenn einer der beiden Streithähne kampfunfähig entweder ganz oder halb tot im Ring liegt. Derweilen wird der Sieger in die Luft gehoben und bejubelt. Um den Besiegten kümmert sich ein hageres, kettenrauchendes Männchen mit einer grossen Machete. Ein paar flinke Handbewegungen später ist der Verlierer mit noch lauwarmer Körpertemperatur, gestutzten Beinen und Flügeln kopflos in einen Plastikbeutel verpackt und kann vom Besitzer abgeholt werden. Brumun verliert seinen Kampf. Bei Koman gibt’s heute Reis mit Hühnchen...



Zu Besuch bei Pak – und einem Friedhof der besonderen Art...

07. Oktober 2014

Der aufmerksame Leser mag sich vielleicht noch an Pak Nengan erinnern, den ehrlichen Finder von Onkel Fabians iPhone. Seiner damaligen Einladung, ihn und seine Familie in seinem Heimatdorf zu besuchen, kommen wir heute gerne nach. Mit unserem motorisierten Esel, mit dem wir nun auch schon wieder über 600 Kilometer zurückgelegt haben, fahren wir nach Trunyan, einem kleinen Fischerdorf in der Nähe des Vulkans Bantur gelegen. Das Dorf war bis vor ein paar Jahren nur per Boot erreichbar. Heute führt eine schmale Strasse in das weit abseits gelegene Örtchen.

Die lange Fahrt führt über eine Passstrasse in windiger Höhe. Die Temperatur sinkt merklich bis in den Keller und zwingt uns, seit rund sechs Wochen wieder einmal einen Pullover zu tragen. Nach unzähligen Kurven und vier Stunden im Sattel durch eine atemberaubende Landschaft, sind wir endlich am Ziel. Von den älteren Bewohnern werden wir zunächst kritisch beäugt. Touristen scheinen dieses Kaff wohl eher selten zu besuchen. Die Freude bei Pak und seiner Familie ist aber offensichtlich gross. Das Wiedersehen wird mit Coca-Cola aus Glasflaschen begossen.

Unerwartetes Highlight unseres Besuches ist ein Abstecher auf einen in ganz Indonesien einzigartigen Friedhof, der nur auf dem Seeweg erreichbar ist. Per Ruderboot und drei menschlichen Pferdestärken mit Paddel setzen wir zum besagten Ort des Grauens über. Das Spezielle an dieser letzten Ruhestätte: Die Leichen werden nicht begraben, sondern einfach auf den Erdboden gelegt und lediglich mit einem dreieckigen Geflecht aus Palmblättern abgedeckt. Zwischen den Ritzen durch kann man deutlich ein vertrocknetes, halb verwestes Gesicht erkennen. Teils sind nur noch Skelette übrig. Eine der Leichen liegt sogar erst seit zwei Wochen hier. Entsprechend aufgebläht und mit Fliegen übersäht liegt sie deutlich sichtbar unter den Zweigen.


Vor dem Tempelrundgang lassen wir zuerst die obligatorische Katzenwäsche mit einem Plastikeimer in Paks Waschzimmer mit Loch-Klo über uns ergehen. Es ist nicht gestattet den Tempel ohne Körperreinigung nach Besuch des Friedhofs zu betreten, wofür wir vollstes Verständnis haben. Nach einem anschliessenden Kaffee-Kränzchen auf Paks einladender Sofaecke mit originalem balinesischen Kopi, geht es in Sarongs gekleidet auf zur Tempelbesichtigung. Es wird eifrig für das morgen stattfindende Zeremoniefest vorbereitet. Es wird wie wild dekoriert, Spanferkel werden vorgegrillt und das ganze Dorf ist bereits in heller Vorfreude. Unsere Anwesenheit sorgt für zusätzliche Aufregung.



Da wir am nächsten Morgen bereits früh beim Immigrationsamt in Singaraja antraben müssen, können wir Paks Einladung, über Nacht zu bleiben, leider nicht wahrnehmen. Bei der Rückfahrt über die Passstrasse ist es bereits finstere Nacht. Hinter einem Lastwagen herfahrend schützen wir uns einerseits vor waghalsig überholenden Fahrzeugen aus dem Gegenverkehr und andererseits vor dem bitterkalten Fahrtwind. Das einzige, was uns wärmt, sind die Diesel-Abgase des vor uns fahrenden LKWs.


Indonesischer Amtsschimmel

09. Oktober 2014

Das bei Ankunft in Indonesien ausgestellte Visa-on-Arrival ist leider nur für 30 Tage gültig. Damit wir übermorgen nicht als illegale Einwanderer dastehen, müssen wir bei der örtlichen Immigrationsbehörde antraben, um uns eine Aufenthaltsbewilligung für die restlichen Tage zu erbitten. Was sich nach einem einfachen Behördengang anhört, ist jedoch eine zeitraubende Angelegenheit.

An der Eingangstüre zur Kantor Imigrasi, wie das Amt hier genannt wird, hängt ein grosses Schild, worauf deutlich erkennbar gemacht wird, dass das Gebäude nicht mit nackten Beinen, offenen Schuhen und verwahrloster Frisur betreten werden darf. Aufgrund unserer nur mit Flipflops und kurzen Hosen bedeckten Körpern und dazu noch einer durch den Helm platt gedrückten Frisur, sehen unsere Chancen auf das erhoffte Visum nicht gerade rosig aus. Da die Zeit langsam knapp wird und wir uns fast schon in der Illegalität befinden, versuchen wir es trotz unserer unpassenden Robe. Zum Glück ist der hinter dem Schalter sitzende Beamte bei guter Laune und zeigt sich nachsichtig, was unser Erscheinungsbild angeht. Nicht so nachsichtig ist er bei den administrativen Belangen. Um das Visum verlängern zu können, muss ein Flugticket für die Ausreise vorgelegt werden. Da wir unsere Flüge für gewöhnlich erst einige Tage vor der Weiterreise buchen, stehen wir ohne benötigtes Dokument und somit ziemlich blöd da. Zudem erfahren wir, dass das ganze Prozedere rund eine Woche in Anspruch nehmen wird und unsere Pässe während dieser Zeit in Verwahrung bleiben. Wir sitzen also in Lovina fest – zugegeben, es gibt schlimmeres.


Aus unserem fehlerhaften Auftritt haben wir gelernt und finden uns am Tag darauf für unsere aktuellen Verhältnisse gut gekleidet und durchgekämmt inklusive Flugticket nach Fiji am Ausländerschalter wieder. Das Visum liegt jedoch noch immer in weiter Ferne. Zwei Tage darauf müssen wir erneut antraben, zwecks Lichtbild- und Fingerabruck-Abnahme. Nach wiederum vier Tagen und mittlerweile dem vierten Amtsbesuch halten wir endlich unsere mit neuem Visa-Stempel versehenen Pässe in den Händen. Die Freude ist gross.


Ein Segen für die Firma

14. Oktober 2014

Da der Ausflug zum Vulkansee Danau Batur dermassen hohen Anklang gefunden hat, widmen wir unsere heutige Tour erneut einem Vulkankrater-See. Ein kurzer Zwischenhalt bei einem eindrücklichen Wasserfall inkl. Wildwasserdusche trägt gehörig zum Spassfaktor bei.


In einem direkt am See Danau Beratan gelegenen Tempel treffen wir auf eine Gruppe festlich gekleideter Pilger. Die rund 20 Nasen sind bei bester Laune und äusserst fidel. Nach einer freudigen Begrüssung werden wir eingeladen, ihrer Zeremonie beizuwohnen. Die Gebete stehen für gute Wasserqualität, wie uns gesagt wird. Ausser der festlichen Kleidung und der sitzenden Pose deutet jedoch noch nichts auf eine besinnliche Zeremonie hin.

Während der Priester bereits das heilige Glöckchen erklingen lässt und Gebete vor sich hin murmelt, sind viele der Gruppe noch immer mit weltlichen Dingen beschäftigt, anstatt sich in Andacht zu befinden. Bereits im Schneidersitz auf den Segen wartend, wird zum Beispiel rasch noch ein Telefonat geführt oder ein Foto geknipst. Wie wir im Verlauf der Zeremonie erfahren, handelt es sich bei der Pilgergruppe um einen Firmenausflug eines Wasserhandels-Unternehmens. Die Angestellten gedenken mit ihren Gebeten in erster Linie den Interessen ihres Arbeitgebers – immerhin auf Arbeitszeit. Dies erklärt aber, weshalb die ganze Zeremonie nicht ganz so ernst genommen wird.

Das grösste Ereignis beim heutigen Firmenausflug sind wohl wir beide, in traditionelle Sarongs gekleidete Exoten. Unsere Anwesenheit scheint das Arbeitskollegium alles andere als zu stören. Im Gegenteil – man amüsiert sich prächtig darüber, wie wir dem Hinduistischen Brauch Folge zu leisten versuchen. Für die nächste Firmenfeier wird alles fotografisch rapportiert. Auch wir werden mit Reiskörnern auf der Stirn auf Fotos verewigt.


Die Gruppe scheint unsere Anwesenheit so sehr zu schätzen, dass wir auch für die zweite Zeremonie direkt am Seeufer eingeladen werden. Ein wirklich einmaliges Erlebnis. Stolz wird uns der während der Zeremonie auf Facebook gepostete Beitrag mit gemeinsamem Gruppenfoto präsentiert.





Es gibt immer etwas zu feiern

15. Oktober 2014

Auch heute am grossen Tag der Huldigung der hinduistischen Götter steht wieder eine Zeremonie an – es gibt schliesslich immer etwas zu feiern. Seit Tagen werden die Tempel herausgeputzt und aufwändig verzierte Opfergaben vorbereitet. Mit unserer vor ein paar Tagen im Beautysalon Kerty’s frisch gestutzten Haaren, sitzen wir dem Anlass entsprechend, in hinduistischer Schale gekleidet, auf unserem mit Knalpot (indonesisch = Auspuff) versehenen Motorpferd in Richtung Pulaki, einem altehrwürdigen Hindu-Tempel. Heute steigt die grosse Hindu-Sause und wir sind wieder live mit dabei.

Sichtlich erfreut über unsere äussere Erscheinung gewährt uns der Chefpriester Einlass in den von Affen besetzen Tempel. Fast schon routiniert folgen wir der Zeremonie und klatschen uns am Ende des Segens den Reis an die Schläfe. Wir scheinen gar nicht gross aufzufallen.


Reisen ist geil – das Zwischenfazit

16. Oktober 2014

Nach gut acht Wochen Herumreiserei in Südost-Asien ist es Zeit, das erste Résumé zu ziehen. Reisen ist mehr denn je unsere grosse Leidenschaft. Es macht uns einfach einen Heidenspass, Neues zu entdecken, neue Menschen und Lebensweisen kennenzulernen und spontan entscheiden zu können, wohin der Weg uns führen soll. Und Motorbike fahren wurde in den vergangenen Wochen zur grossen Leidenschaft. Wir haben Höhen und Tiefen überwunden - in geologischem aber auch emotionalem Sinne.

 

Was wir auf unserer Reise in einer Woche erleben, passiert an einem Schreibtisch in 100 Jahren nicht. Aber eins muss gesagt werden: Nasi Goreng hängt zumindest mir schon mächtig zu den Ohren raus. Auch sämtliche Variationen von Fried Noodles können mir nach gut acht Wochen Asien so langsam aber sicher gestohlen bleiben. Nachts träume ich von Käseplatten und Rotwein, dazu eine Auswahl von geräuchertem Speck und Parmaschinken. Schon nur diese Zeilen zu tippen, lassen mir das Wasser im Munde zusammen laufen. Das Positive am Verzicht: der Erstkontakt zu geriebenem Parmesan nach sieben Wochen war fast schon eine übersinnliche Geschmacksbegegnung. Evelyn hingegen erleidet noch keine kulinarische Depression. Tapfer schaufelt sie noch immer täglich eine Ration Reis in sich hinein. Wie schafft sie das nur?

 

Aber nichts desto Trotz - geplagt vom Fernweh in der Ferne reisen wir munter weiter und freuen uns auf viele weitere spannende Erlebnisse. Unser nächstes Ziel: Das Ende der Welt – Südpazifik...