Kuala Lumpur – eine Stadt die niemals schläft

2. September 2014

Kaum schnuppern wir beim Verlassen des Flughafens zum ersten mal Kuala Lumpur’s Luft, sind wir beide bereits hin und weg von dieser Stadt. Wir sind sehr beeindruckt, wie modern und geordnet hier alles abläuft. Ein krasser Stilwechsel zu Ho Chi Minh, wo ein grosses Durcheinander herrschte. Dies liegt wohl auch daran, dass es hier keine Roller gibt und auch absolut kein Gehupe. Auf der einstündigen Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt zählen wir nur gerade zwei Motorräder. Das nennt sich Radikalentzug nach dem Motorbike-Overkill in Ho Chi Minh. Der Abschied von unseren zwei Rädern tut noch immer weh.

Unser Guesthouse liegt im Herzen der Stadt mitten im Inder- und Pakistani-Viertel. Es ist förmlich spürbar, wie die Stadt pulsiert - man könnte sogar fast sagen hier herrscht latenter Bluthochdruck. Eine willkommene Abwechslung zum vergleichsweise gemächlichen Vietnam, wo eher Unterzuckerung an der Tagesordnung war, was uns aber auch sehr gefallen hat. Da wir nun nicht mehr motorisiert sind, müssen sich unsere  vor lauter Motorbike degenerierten Füsse zuerst wieder ans Gehen gewöhnen. Doch für einen Schongang haben wir keine Zeit. Die Millionen-Stadt will erkundet werden und wir haben schliesslich nur knapp zwei Tage dafür.    

Nach einem gefühlten Marathon durch die faszinierenden, von Wolkenkratzern gesäumten Strassen, erreichen wir nach bereits zwanzig Minuten unser Ziel. Es ist bereits dunkel bzw. Nacht, denn dunkel wird es in dieser Stadt nie. Endlich stehen sie live und in voller Schärfe vor uns – die beiden hellerleuchteten Petronas-Towers. Einfach einmalig dieser Anblick. Schon alleine dafür hat sich die ganze Reise gelohnt. Wir können den Blick kaum mehr von ihnen abwenden, der Finger am Fotoapparat fest durchgestreckt auf Dauerabzug. Erst als der Nacken vom andauernden Hochschauen zu schmerzen beginnt, machen wir uns auf den Rückweg in unser vorübergehendes Zuhause. 

Noch hungrig auf eine Mitternachtsvesper legen wir auf dem Heimweg noch eine Rastpause an einer Fressmeile mit allerlei Chinesischen, Vietnamesischen und Mongolischen Essständen ein. Vermutlich haben wir heute aber mehr Hitze abbekommen als das lauwarme „geröstete“ Hühnchen, das vor uns auf dem Teller liegt...


Auch nach Mitternacht herrscht bei uns im Viertel noch reger Betrieb. Es wird lauthals diskutiert, gekocht und gegessen bis in die Morgenstunden. Das rhythmisch-monotone Geräusch vom auf der Strasse sitzenden und Gemüse hackenden Inder von vis-à-vis wiegt uns sanft in den Schlaf.    


Kulinarischer Hochgenuss im Fresstempel

3. September 2014

Nachdem wir beim gestrigen Teppanyaki-Essen Blut geleckt haben, ist heute sozusagen unser grosser Load-Day, wie es ein Diätprofi bezeichnen würde. Die in einer Shopping-Mall gelegene Food-Republic lockt mit unzähligen Restaurants, die allerlei leckere Speisen aus Asien und der ganzen Welt anbieten. Sushi en masse, Teppanyaki zum zweiten, Eiscreme vom Feinsten und original Französisches Baguette befinden sich heute auf unserem ausgewogenen Speiseplan. Nicht zu vergessen die Croissants und Schockoladenbrötchen zum Frühstück. Es tut gut sich so ordentlich den Bauch vollzuschlagen! Nicht, dass wir während unserer Reise hungern mussten, im Gegenteil, aber heute haben wir nach Herzenslust geschlemmt, was das Zeug hält.

 

Als Kontrastprogramm zur Völlerei ist auch heute wieder Trimm-dich-fit angesagt. Per Fussmarsch geht es kreuz und quer durch die City. Als nächstes Highlight wartet der Kuala Lumpur Tower auf uns, der mit seinen 412 Metern weit hinaus über die Stadt ragt und eine fantastische Aussicht auf die Skyline bietet. Einfach genial!

    

Beim anschliessenden Durchstreifen einer eher zweitklassigen Shopping-Mall werden wir an einem Promotionsstand fast schon penetrant von drei Verkäufern angehalten. Ja, der Weg wird uns regelrecht vor der Nase abgeschnitten. Noch völlig perplex und total überrumpelt bleiben wir stehen und ehe wir uns versehen, bekommen wir irgendeine cremige Substanz angeschmiert. Ganz schön dreist aber auch clever diese Masche. Während ich mich umgehend aus dem Staub mache und in Richtung Elektroabteilung flüchte, bleibt Evelyn noch für kurze Zeit in den Fängen der Creme-Drückerbande hängen. Die Masche hat also funktioniert.  Bei Cremes und Körperlotionen wird sie schwach und kann einfach nicht widerstehen. Dumm nur, dass die Gesichter der drei Promo-Verkäufern mit Pickeln übersäht sind, was das Vertrauen in dieses Produkt für angeblich samtweiche Haut nicht gerade stärkt. Auch Evelyn schafft es, sogar auf charmante Art, sich der Situation zu entziehen – und zwar ohne etwas zu kaufen.

In den frühen Morgenstunden unserer zweiten Nacht bietet sich vor unserem mit Gitterstäben gesicherten Fenster eine skurrile Szene, wie sie sich wohl nur in einer Grossstadt abspielt. Während der Inder von vis-à-vis sich erneut auf offener Strasse auf einem Stuhl sitzend mit hacken (nicht schneiden) von bergeweise Gemüse beschäftigt, stampft ein sturzbetrunkener und stark schwankender Penner, nur wenige Schritte vom Inder entfernt, mitten auf der Strasse haufenweise Alu-Dosen flach. Gleichzeitig kreuzen zwei in hochhackigen Schuhen und übertrieben stark aufgebrezelte Transvestiten und ein strenggläubiger Muslimbruder in weissem Gewand seinen Weg. Für alle Beteiligten dieser Szene scheint dieses Aufeinandertreffen wohl nichts besonderes zu sein. Nur für uns, die am vergitterten Fenster stehen und das Kleinstadtleben gewohnt sind, ist dies eine äusserst schräge Darbietung. Fast schon eine Begegnung der dritten Art.