Zurück auf dem Kontinent des Reiskorns

23. Februar 2015

Die Grippe ist ausgestanden, die Tage zu Besuch in der Heimat sind zum Glück gezählt. Es ist Montagmorgen, die Landschaft noch immer grau in grau, leichter Regen tropft aus dicken Wolken und in Basel herrscht seit vier Uhr morgens die Narrenfreiheit. Höchste Zeit für uns die Fliege zu machen und dieser Tristesse den Rücken zu kehren. Mit dem Zug fahren wir zurück nach Frankfurt, wo wir vor ein paar Tagen nach langer Zeit wieder einmal europäischen Boden betreten haben, um ihn jetzt auch schon wieder zu verlassen.

Eben noch im Schneegestöber schlägt uns nach 11 Stunden Flug die schwülwarme Klimafaust Bangkoks freundlich ins Gesicht. Alleine schon der uns wohlbekannte und unverkennbare Geruchsmix aus Smog und thailändischem Essen, der uns beim Verlassen des Flughafengebäudes um die Nase weht, lässt das Reisefieber wieder auf angenehme Temperatur empor schnellen. Per Skytrain und anschliessender Taxifahrt gelangen wir zu unserem Hotel mitten in der Altstadt. In diesem Viertel hat die Metropole eher dörflichen Charakter. Die Häuser sind nicht mehr als einige Stockwerke hoch, Stromkabel hängen kreuz und quer zu einem einzigen grossen Wirrwarr vernetzt über den Strassen.

Die pulsierende Millionenmetropole Bangkok fasziniert mit ihren Gegensätzen. Auf engstem Raum begegnen sich moderne Bürokomplexe und buddhistische Tempel, moderner Lifestyle trifft auf alte Traditionen. Die Stadt übt auf uns eine ganz spezielle Anziehungskraft aus. Es ist das unverwechselbare Flair, das hektische Treiben auf den Strassen und für Evelyn insbesondere die am Strassenrand dicht nebeneinander stehenden Marktstände, was die Stadt so besonders macht und uns immer wieder hier hin lockt.



Früh auf den Socken

25. Februar 2015

Von der häufigen Zeit-hin-und-her-Verschieberei in den letzten Monaten noch völlig durch den Wind, stehen wir nach ein paar Stunden Schlaf bereits um drei Uhr morgens senkrecht im Bett. Diesen ungewöhnlichen Umstand machen wir uns zu Nutze und brechen noch bei Dunkelheit zur Tempelbesichtigung auf. Wer glaubt, es sei noch schön still um diese Uhrzeit irrt. Auf den Strassen herrscht schon wieder bzw. immer noch reger Betrieb. Die Stadt kommt nie zur Ruhe, es ist immer etwas los. Auch das ein Grund, weshalb wir uns hier so wohl fühlen.

 Im Gegensatz zum chaotischen Treiben auf den Strassen ist es rund um den altehrwürdigen Tempel Wat Arun noch verschlafen still. Nur ein paar Mönche sind mit noch etwas zugekniffenen Augen auf den Beinen, um Buddha mit einem Frühgebet zu huldigen, während sich die aufgehende Morgensonne an den aufwändig mit Gold verzierten Fassaden und Dächern spiegelt. Der anschliessende Besuch eines Lebensmittelmarktes ist ein ganz besonderer Augen- und Nasenschmaus zur frühen Morgenstunde. Nebst frischem Grünzeug wird Fleisch, Fisch und sonstiges Meeresgetier noch lebendig, halbwegs frisch zerlegt, getrocknet oder pulverisiert zum Kauf angeboten. Besonders der Geruch der ungekühlten Innereinen hängt noch Stunden später in der Nase. Eine Fahrt mit der Fähre im morgendlichen Berufsverkehr auf dem mitten durch die Stadt fliessenden Mae Nam Chao Phraya rundet das frühaktive Sightseeing-Programm ab.



Eine Fahrt ohne Sponsor

27. Februar 2015

An praktisch jeder Strassenecke Bangkoks thront ein überdimensioniertes Plakat mit dem König Bhumibol als Motiv. Einmal lässig mit Fotoapparat um den Hals, ein anderes Mal musikalisch mit Klarinette in der Hand oder als Tierfreund mit Hund an der Leine, um nur einige seiner unzähligen Facetten zu nennen. Auch in jedem Geschäft, Haushalt und Taxi hängt ein Abbild seiner Hoheit, oft geschmückt mit Blumen. Die Thais verehren ihren König abgöttisch und sind offenkundig stolz auf seine vielseitigen Talente. Ein Plakat zu verschmieren oder schon nur eine Banknote mit Bhumibols Konterfei zu zerknüllen wird sogar mit Gefängnis bestraft.

Um möglichst viel von der Stadt zu sehen und zu riechen, bietet es sich an mit einem türen- und fensterlosen Tuk Tuk an der mehr oder weniger frischen Luft durch die Strassen zu brausen. Den lautmalerischen Namen verdankt das landestypische Dreiradgefährt dem unüberhörbar knatternden Geräusch, das dem Auspuff entweicht. Ein Tuk Tuk zu finden ist keine Hexerei. Schwieriger wird es eines für einen angemessen Fahrpreis zu bekommen, da die Preisvorstellungen im Vergleich zu einem normalen Taxi astronomisch hoch sind. Handeln ist angesagt, wenn man nicht einen ganzen thailändischen Wochenlohn für eine einstündige Fahrt hinblättern will.

Mit einem Sponsor käme der Spass einiges günstiger, meint der etwas fies dreinblickende Fahrer. Der Haken an der Sache: Mit Sponsoren sind Shops gemeint, die dem Fahrer für die Ablieferung seiner Fahrgäste eine saftige Prämie bezahlen. Das ganze läuft also darauf hinaus, dass man von Shop zu Shop gekarrt wird und anstatt Bangkoks Sehenswürdigkeiten bestaunen zu können haufenweise überteuerten Ramsch angedreht bekommt. Bei diesen Aussichten bezahlen wir lieber ein paar Baht mehr. Da sich die Sitzhöhe in einem Tuk Tuk auf Höhe des Auspuffs von Bussen und Lastwagen befindet, erhalten wir ohne Aufpreis eine Extraportion Feinpartikelstaub zum inhalieren obendrauf.




Zeitlos auf der Insel

2. März 2015

Nach vier aufregenden Tagen und Nächten in Bangkok sind wir reif für ausgiebiges Dolce Farniente mit Strand, Meer und schönen Sonnenuntergängen. Per Nachtbus geht es den schmalen Küstenstreifen entlang in Richtung Süden. Wegen der Grenznähe zu Myanmar und der damit verbunden Angst vor illegalen Einwanderern, wird die Fahrt mehrmals von Polizeikontrollen gestoppt. In Militäruniform gekleidete Beamte der thailändischen Staatsmacht steigen zu und kontrollieren die Ausweise der Passagiere. Uns schenkt man keine Beachtung, da wir offensichtlich keine Ähnlichkeit zur burmesischen Volksgruppe aufweisen.

Noch bei Dunkelheit biegt der Bus nach neunstündiger Fahrt in den kleinen Busbahnhof von Ranong ein. Noch nicht mal richtig ausgestiegen und noch wackelig auf den Beinen liefern sich zwei Pickup Fahrer, kaum ist das Wort Pier gefallen, einen Wettstreit um unser Gepäck. Bevor der Preis ausgemacht ist, werden unsere Rucksäcke hastig auf einer Ladefläche verstaut. So verschafft man sich Arbeit. Weit ist es nicht bis zum Pier und von da aus ist unser Ziel nur noch eine einstündige Bootsfahrt entfernt.

 

Die in der Andamanensee gelegene Insel Koh Phayam hat noch viel von ihrer Ursprünglichkeit bewahrt. Der Tourismus steckt erst in den Kinderschuhen. Dementsprechend einfach ist die Infrastruktur. Tankstelle gibt es keine. Benzin wird ausschliesslich in PET-Flaschen am Strassenrand verkauft. Des Weiteren gibt es nur zwei schmale Strassen – eine verläuft längs, die andere Quer durch das zwei auf fünf Kilometer grosse Eiland. Am Verkehr, wenn man es so nennen kann, nehmen lediglich ein paar Fahrräder und Motorbikes und gerademal ein einziges Auto teil.

Auch wir tragen nach langer Zweiradabstinenz zur lokalen Verkehrsbelebung bei. Endlich ist die lange Durststrecke ohne Motorbike überwunden. Das verkümmerte rechte Handgelenk freut sich auf eine Trainingseinheit. Seit ein paar Jahren gibt es in Thailand zwar offiziell die Helmpflicht. Diese interessiert hier aber niemanden. Und so geht endlich auch der lang gehegte Traum vom flatternden Haar im Wind in Erfüllung.


Für die nächsten vier Tage gastieren wir in einem kleinen Holz-Bungalow mit Blick aufs Meer und tropische Pflanzen. Bei der WC-Spülung ist wieder einmal Handarbeit gefragt und die Schöpfkelle angesagt. Das Abwasser von Dusche und Lavabo entledigt sich via Loch im Fussboden seiner selbst und versickert klammheimlich im sandigen Grund. Strom gibt es nur zwischen 18 Uhr und Mitternacht, danach ist Schicht im Schacht. Die Behausung ist rundum simpel und einfach aber sehr gemütlich.

 

Die Zeit hat auf Koh Phayam noch nicht Einzug gehalten, so scheint es. Hier können wir getrost ein paar Gänge runter schalten. Zeitlos leben wir gemütlich in die Tage hinein, schlürfen als „Oren-Shack“ angepriesene Orangen- und Früchte-Shakes, essen leckere thailändische Gerichte mit „klein scharf“ und kurven mit einem fröhlichen Knattern im Ohr auf den wenigen Metern Strasse längs und quer über die Insel.



Busfahrt ins Frührentner-Paradies

7. März 2015

Auf Koh Phayam haben wir praktisch jeden Winkel abgeklappert und kennen jedes einzelne Sandkorn. Zu Genüge in der schönen Andamanensee geplanscht haben wir aber bei weitem noch nicht. Tagsüber ist es dermassen heiss, dass wir am liebsten gar nicht mehr aus dem angenehm temperierten Nass steigen möchten. Dennoch ist es an der Zeit, die Segel zu setzen und weiter in Richtung Süden zu ziehen. Zurück auf dem Festland in Ranong liefert uns der Pickup-Fahrer im Büro eines Busunternehmens ab. Es ist der gleiche Fahrer, der uns vor ein paar Tagen zum Pier gefahren hat, jedoch ist der Preis, wie in Asien nicht selten, plötzlich um 30% höher als bei der Hinfahrt. Auch bei Zigaretten kommt es vor, dass der am Morgen bezahlte Preis am Abend nicht mehr der gleiche ist. Auf die Schnelle besorgen wir uns zwei Tickets und warten geduldig in der kühlen Brise der Klimaanlage bis der Linienbus eintrifft.

 

Nach rund einer Stunde Verspätung setzt sich der bis auf den letzten Platz besetzte Bus in gemächlichem Tempo in Bewegung. Immer wieder hält er am Strassenrand an, um noch mehr Passagiere aufzugabeln, die sich auf den Stehplätzen unterdessen dicht an dicht gedrängt auf den Füssen herum stehen. Das sonntagsfahrerartige Fahrtempo von ca. 30 bis 50 Km/h lässt uns nicht wirklich vorwärtskommen. Jetzt ist auch klar, weshalb für die 130 Kilometer lange Strecke rund fünf Stunden Fahrt veranschlagt werden. Immerhin haben wir noch die letzten beiden Sitzplätze ergattern können, deren rechte Armlehne aufgrund akuten Platzmangels von einem stehenden Passagier erobert wurde.

Der Busfahrer, ein thailändischer Billigverschnitt von Pharrell Williams, sitzt mit dickem Goldring, glitzernder Halskette und viel zu grosser Sonnenbrille in cooler Ghetto-Pose hinter dem Steuer. Da ihn die Fahrt offensichtlich zum Gähnen langweilt, vertreibt er sich die Zeit mit rauchen, telefonieren, Essensreste aus den Zahnzwischenräumen heraus grübeln, SMS schreiben, nochmals telefonieren, gelangweilt dreinblicken, trinken, Fingernägel begutachten, Betelnussblätter zusammen falten und kauen. Zwischendurch schaut er durch die mehrfach gesprungene Frontscheibe auf die Strasse und bringt die Kiste wieder auf Kurs oder wagt, trotz Schneckentempo, riskante Überholmanöver über die doppelte Sicherheitslinie. Der entgegenkommende Verkehr wird einfach lässig zur Seite gehupt. Wie überall in Asien gilt auch hier das Gesetzt des Stärkeren, weshalb der Gegenverkehr ohne zu murren klein bei gibt. Der um den Rückspiegel hängende Gebetskranz aus Blumen erfüllt aber seinen Zweck. Unversehrt erreichen wir das Frührentner-Paradies Khao Lak mit nur drei Stunden Verspätung.



Weihnachtsstimmung im März

9. März 2015

Die angenehm kühlende Klimaanlage und die guten Restaurants sind Schuld daran, dass wir nicht wie geplant nach zwei Tagen weiterreisen und unsere Zwischenpensionierung um ein paar Tage verlängern. Die Strände in dieser Region sind wirklich 1A, die Pad Thai Noodles, die Thai Currys mit „Biip“ (= Beef) und auch das Schnitzel beim Schweizer um die Ecke schmecken ausgezeichnet, auch wenn das Rindfleisch im Vergleich zum argentinischen Biffe eher einem Biss in den sauren Apfel gleichkommt. Die auf der Insel Koh Phayam an den Tag gelegte Faulenzerei führen wir auch in Khao Lak gnadenlos weiter, trinken literweise Früchte-Shakes und touren mit einem Honda Zweitakter und wehrmachtsähnlichen Helmen ausgestattet durch die schöne Gegend der Phang Nga Bucht.

Die Weihnachts- und Neujahrs-Deko ziert auch jetzt Anfang März noch immer Türeingänge von Läden, Restaurants und Bars. Buntes Lametta und Happy New Year Schriftzüge bei schwülen 35 Grad. Da die Urlaubssaison mit Beginn der Regenzeit sowieso bald zu Ende ist und das Thema Weihnachten zum Zeitpunkt des Saisonstarts im November wieder brandaktuell sein wird, lassen die Thais der Bequemlichkeit halber gleich das ganze Jahr über fröhliche Feiertagsstimmung walten.



Sind das etwa holländische Fans?

10. März 2015

Der Buddhismus ist die dominierende Religion des Landes und weniger eine Glaubensfrage sondern vielmehr eine Philosophie, die das ganze Leben bestimmt und fest im Alltag verankert ist. Die prächtig geschmückten Tempel mit ihren von weit her sichtbaren Pagoden sind zu tausenden über das ganze Land verstreut und befinden sich in Städten, wie in ländlichen Gebieten. Ebenso prägen die wie holländische Fussballfans gekleideten Mönche das Strassenbild. Während man in der Schweiz höchst selten einen Mönch in freier Wildbahn sieht, trifft man die in orangen Gewändern eingehüllten Geistlichen täglich auf der Strasse, in Bussen oder an Flughäfen an.

Ausnahmsweise mal etwas früher auf den Beinen bzw. auf den Rädern haben wir das Glück, Mönche auf ihrem allmorgendlichen Almosengang beobachten zu können. Bei diesem Ritual kommen die Mönche vor Tagesanbruch aus ihren Klöstern und Tempeln, um von den Gläubigen ihre Nahrung für den Tag zu erhalten. Diese sitzen mit Spendengaben am Strassenrand und warten auf die in einer Kolonne vorbeiziehenden Mönche. Es ist kein betteln, sondern eine Ehre für den Spender, die Mönche mit Speisen und Getränken zu versorgen.



Ein Sack voll Fisch

11. März 2015

Seit uns in Neuseeland die Leidenschaft des Fischens gepackt hat, lässt uns der Kampf Mensch gegen Tier keine Ruhe mehr. Schon nur, wenn wir das Abbild eines Fischs erblicken oder das Wort Fisch zum Beispiel auf einer Speisekarte lesen, zuckt es uns in den Fingern. Nach gut drei Monaten Pause ist es höchste Zeit unsere Fischerkarriere voranzutreiben und mit einem weiteren Erlebnis zu bereichern. Mit so einem grandiosen Meer vor der Nase wäre es schliesslich Sünd und schade keinen Haken ins Wasser zu halten.

 

Mit dem Onkel des Besitzers eines etwas abgelegenen Restaurants treffen wir uns frühmorgens am Strand. Mit seinem halbwegs hochseetüchtigen Longtail-Boot und hochseetauglich aussehenden Kollegen gehen wir heute auf Fischjagd ein paar Kilometer weit draussen vor der Küste.

Die Action beginnt schon beim Einsteigen ins Boot. Wegen des nicht vorhandenen Stegs müssen wir mit Rucksack kopfüber durch hüfttiefes Wasser waten, um zum Boot zu gelangen. Dem klein gewachsenen Fischeronkel reicht bei diesem Manöver das Wasser schon bis zum Hals. Den Namen Longtail-Boot verdankt dieser Schiffstyp seinem markanten Antriebssystem, dessen Schiffsschraube am Ende einer langen Stange befestigt und in alle Richtungen frei schwenkbar ist. So ist es möglich auch durch seichtes Wasser zu fahren ohne am Boden hängen zu bleiben. Der Motor hat weder Auspuff noch Verkleidung und macht daher einen Höllenlärm, der auch in kilometerweiter Entfernung unüberhörbar ist. Ebenfalls unverwechselbar ist das Geräusch der messerscharfen Schiffsschrauben beim Eintauchen ins Wasser, wenn die Wassermoleküle hörbar in ihre atomaren Einzelteile zersäbelt werden.

Nach ca. einer halben Stunde Fahrt ins weite dunkelblaue Meer hinaus, erreichen wir die ersten Fischgründe. Hier sei eine gute Stelle, gibt uns der Onkel zu verstehen, der das Meer noch besser zu kennen scheint, als die Taschen seiner Turnhose. Noch kurz bevor die Ruten ausgeworfen werden, schleift er zuversichtlich die Messerklinge und präpariert konzentriert die Köder. Der Seegang ist heftig – darauf waren wir nicht vorbereitet. Die hölzerne Nussschale wiegt in den Wogen des Meeres hin und her wie ein Spielball. Das Schwanken wird sogar noch stärker, als der Motor ausgeschaltet wird und das Boot antriebslos vor sich hin schaukelt. Uns beiden wird speiübel. Mit etwas angebleichten Gesichtern werfen wir trotz der Umstände die Ruten aus und warten gespannt, was so alles anbeisst. Es ist gar nicht so einfach, sich aufs Fischen zu konzentrieren, wenn man sich gleichzeitig beherrschen muss, nicht zu kotzen.

Die Tagesernte kann sich sehen lassen – der Beisswut der Fische sei Dank. Die Ausbeute nach vier Stunden schweisstreibender und würgereizender Jagd umfasst einen Sack voll mit exotischen Fischen. Sehr zur Freude des Restaurantbesitzers, dem wir den Löwenanteil des Fangs zu Gute kommen lassen und zur noch grösseren Freude für die Touristen, welche die Fische am Abend dann serviert bekommen. Nachdem unsere Gesichter wieder Normalfarbe angenommen haben, bekommen auch wir ein paar der Fische nach zweierlei thailändischer Art frisch zubereitet und aufgetischt. Ein Gaumenschmaus sondergleichen. Was für ein Tag!


Eine frische Priese Marktluft

13. März 2015

Nach mehr als geplanten Tagen im Rentnerparadies ist es an der Zeit uns vom aktiven Nichtstun zu verabschieden und von Urlaubsstimmung wieder auf Reisefeeling umzuschalten. Der Weg führt uns in anderthalb Stunden zuerst per Taxi zum Flughafen von Phuket, eine der grössten Billig-Touristenhochburgen von ganz Thailand. Wenn man vom Publikum am Flughafen auf den durchschnittlichen Feriengast in dieser Region schliessen kann, ist es um diesen Ort schlimm bestellt. Der Gesichtsausdruck vieler Urlauber ist eindeutig gezeichnet von zu hohem Bierkonsum und zu wenig Zahnarztbesuch. Wir sind froh, können wir uns diesem Ort gleich wieder entziehen.

 

Ein asiatischer Billigflieger bringt uns in nur zwei Stunden nach Chiang Mai im Norden von Thailand. Die Stadt, welche nur fünf Jahre jünger ist als die Schweiz, ist bekannt für ihre rund 200 buddhistischen Tempel und die schöne Altstadt. Diese wird von antiken Resten einer Stadtmauer und einem parallel dazu verlaufenden, viereckigen Wassergraben umgeben, der auf zahlreichen Brücken überquert werden kann. Doch nicht nur das gibt es zu entdecken: Hier befindet sich wohl einer der bekanntesten und grössten Nachtbasare von ganz Asien – mitunter der Hauptgrund für Evelyn dieser Stadt einen Besuch abzustatten.

Die Verlockung ist riesig - ebenso die Auswahl der im Überfluss angebotenen Waren. Tücher, Teppiche, Handwerkserzeugnisse, Buddha-Statuen, als Safran angepriesene unidentifizierbare Blütenblätter, gefälschte Marken-Unterhosen und Sonnenbrillen, und nicht zu vergessen T-Shirts mit Markenlogo für drei Franken, die aus meiner eigenen Erfahrung nach dem ersten Waschgang nicht mal mehr über den Bauchnabel reichen. Besonders die Schals und Tuchwaren haben es Evelyn angetan, während ich mich nach Ersatz für die auf Fiji verlorene Unterhose umsehe. Drei Abende in Folge marschieren wir die kilometerlangen Marktgassen auf und ab, bis die Flipflop-Sohlen glühen. Wenn es nach Evelyn geht, würden wir die letzten Wochen unserer Reise zwischen den vielen Marktständen verbringen.



Eins auf die Zwölf

15. März 2015

Muay Thai Boxen ist nebst am Mobiltelefon herumspielen die wohl populärste Sportart Thailands mit grossem Unterhaltungsfaktor. Am Abend findet in einem etwas zwielichtigen Stadion in Chiang Mai eine spektakuläre Boxing-Night satt, die wir uns  natürlich nicht entgehen lassen. Wobei man unter Stadion nicht allzu viel erwarten darf. Im Prinzip handelt es sich lediglich um eine etwas heruntergekommene und schlecht beleuchtete Halle mit Wellblechdach, in deren Mitte ein Boxring steht. Um den Boxring herum sind vier bis fünf Reihen Plastikstühle und Tische angeordnet, welche wiederum von rot beleuchteten Barständen umgeben sind.

Kaum Platz genommen, werden wir auch schon von einer „Frau“ mit tiefer, nasaler Stimme und männlichem Gesichtsausdruck angequatscht, ob wir was trinken wollen. „Ju lei samsin to dliiink?“ Selbstverständlich gönnen wir uns zu diesem sportlichen Anlass ein Bier und steuern zur Rauchschwaden-Bildung in der stickigen Halle bei, was für das passende Ambiente sorgt. Aus einem Lautsprecher ertönt heiseres, disharmonisches Flötengedudel, welches den baldigen Beginn des Boxkampfs signalisiert. Nach einer halben Stunde Dauerbeschallung, Bier trinken und rauchen, geht es dann los.

In der ersten Runde geben sich zwei halbwüchsige Jugendliche auf die asiatische Mütze, die in unseren Breitengraden um diese Uhrzeit schon längst im Bett sein müssten. Anstatt sich den nötigen Schlaf zu gönnen, prügeln die beiden ordentlich aufeinander ein. Die Fäuste und Füsse fliegen bis einer k.o. zu Boden geht. Sehr zur Freude der schon etwas angetrunkenen Meute auf den Plastikstühlen. Der vierte Kampf des Abends ist ein weniger ernst zunehmender Spezialkampf. Fünf Typen mit verbundenen Augen kloppen sich zur Belustigung gleichzeitig im Ring.

Der Hauptkampf, zugleich das grosse Finale, findet mit internationaler Beteiligung statt. Zufälligerweise steht ein Schweizer Landsmann im Ring, der seine thailändischen Bruce Lee Fähigkeiten unter Beweis stellen will. Die gross aufgezogene Einmarsch- und Aufwärmzeremonie lässt den Jahrhundertkampf vermuten. Sein Gegner - ein thailändischer Spargeltarzan, der nicht mal einen Bruchteil auf die Wage bringt. Ein unfairer Kampf, möge man meinen. Doch der drahtige Asiate ist zäh wie Leder. Das Ende naht dann schneller als erwartet in Runde vier und wird von einem rechten Kinnhaken besiegelt. Es kommt, wie es kommen musste. Typisch Schweiz - der Eidgenosse liegt wie ein schlaffer Kartoffelsack ausgeknockt und mit polierter Visage auf den Brettern.



Klassenfahrt mit Sonderschul-Flavour – Teil 1

17. März 2015

Die bevorstehende Reiseetappe soll uns in zwei Tagen auf dem Landweg durch den Norden Thailands über die Grenze nach Laos führen. Eigentlich meiden wir arrangierte Reisetrips, wie der Teufel das Weihwasser. Ein zufällig über den Weg gelaufenes, unschlagbar günstiges Package-Angebot führt uns aber in Versuchung diesbezüglich eine Ausnahme zu machen. Dies erspart uns viel Aufwand, da wir die einzelnen Bus-Transfers nicht alle selbst organisieren müssen. Im Angebot inbegriffen ist zudem auch eine Übernachtung in einer einfachen aber schönen Unterkunft – zumindest, wenn man den Bildern der Agentur Glauben schenken darf.

 

Planmässig um neun Uhr morgens holt uns der Minivan ab. Wir sind die Ersten an Bord, was den Vorteil hat, dass wir uns die Plätze aussuchen können. Der grosse Nachteil: Bevor die Reise losgeht, fahren wir zuerst kreuz und quer durch Chiang Mai, um noch alle anderen Mitreisenden einzusammeln. Nach gut einer Stunde Umherfahrt sind wir dem Tagesziel noch immer keinen Meter näher gekommen. Aber dafür ist die Reisegruppe jetzt vollzählig und im Minivan ist es gemütlich eng. Auf der Fahrt in Richtung Norden folgt der vor allem unter Backpackern alt bekannte und uns zu den Ohren heraushängende „Wo-ich-schon-überall-war-und-wo-ich-noch-überall-hin-will“- Smalltalk. Wobei es sich bei diesem Wortaustausch nicht um eine Konversation handelt, sondern um das gegenseitige Vortragen von Monologen. Wichtigste Regel, um sich gegenseitig zu übertrumpfen: An den Orten, wo der andere noch nicht war, ist es natürlich mit Abstand am schönsten.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt folgt bereits die erste Zwangspause in einem abgelegenen Restaurant mitten im Nirgendwo. Trotz der abgeschiedenen Lage ist das Restaurant zum Bersten voll. Auch ein anderer Busfahrer hat seine Fahrgäste zum Zwischenhalt verdonnert, um eine Provision abzustauben. Doch offensichtlich scheint das die meisten der Gruppe nicht zu stören. Sie nutzen die Gelegenheit, um sich ein erstes Bier zu zapfen. Sobald der Fahrer seine Geldscheine kassiert hat und auch der hinterletzte unserer Gruppe begriffen hat, dass dieser Ort noch nicht unser definitives Tagesziel ist, geht die Fahrt weiter.  

Der obligatorische Haken beim gebuchten Kombiangebot entpuppt sich kurz vor der Abenddämmerung bei Ankunft in Chang Khong, einem kleinen Ort kurz vor der laotischen Grenze. Wie schon befürchtet, werden wir nicht bei der versprochenen Unterkunft mit dem schönen Zimmer abgeladen. Als wir den Fahrer damit konfrontieren, dass dies die falsche Unterkunft sei, weiss der natürlich von nichts und deutet nur mit dem Finger auf das schäbige Gebäude und meint: „Ju slipp“ - was soviel heissen soll, dass wir wohl oder übel hier übernachten werden. Von innen sieht die Unterkunft sogar noch schäbiger aus als von Aussen. Die uralte Klimaanlage aus besseren Zeiten verströmt nur noch lauwarme Luft mit einem käseartigen Aroma. Aus der Wand ragt ein offenes Stromkabel aus der Wand. Die Matratzen der gefängnisähnlichen Betten sind vom jahrelangen Gebrauch auf wenige Zentimeter zusammen gepresst und hart wie Kruppstahl. Ein Liege-Erlebnis wie auf dem nackten Fussboden. Nach einigen Minuten liegen, stellt sich von ganz alleine das Bedürfnis ein sich umzulagern, damit den eingeschlafenen Körperteilen wieder ausreichend Blut zugeführt wird. Die Bettwäsche wurde vermutlich das letzte Mal gewechselt, als König Bhumibol noch im Strampelanzug gesteckt hat. Ein klarer Fall also für den Seidenschlafsack und tolle Aussichten für eine geruhsame Nacht.